Für die österreichische Schule der Nationalökonomie, deren Studium sich das Hayek-Institut verschrieben hat, ist eine Rezession nichts weiter als ein reinigendes Gewitter: "Die Rezession ist eine Folge der Fehlinvestitionen, die der Staat getätigt hat." Eine Lockerung der Schuldenpolitik sei nichts weiter als ein "Hinauszögern der Krise. Die Rechnung wird uns präsentiert werden, so oder so." Die Griechen oder Spanier hätten ihre Hausaufgaben nicht gemacht und daher seien sie jetzt in der Krise. Struktur-Reformen in den Krisenländern seien unausweichlich. Schließlich sei es auch die Reformpolitik in Irland vor rund 20 Jahren gewesen, die das Land zum "Celtic Tiger" gemacht hätten oder die Reformagenda von SPD-Kanzler Gerhard Schröder, die Deutschland vom "Kranken Mann" zum "Wunderknaben" Europas gemacht hätten. Doch im Moment scheint zu gelten: Hayek ist out, Keynes ist in.

Poltik-Wechsel in der Europäischen Union?

"Wir sind in einer Phase, in der viele Länder in einer Liquiditätsfalle gefangen sind", konstatiert IWF-Chefvolkswirt Olivier Blanchard. Die noch zur Verfügung stehenden Mittel der Geldpolitik seien von daher eingeschränkt. Die Haushalte müssten also zum Großteil ohne den ausgleichenden Effekt der Geldpolitik konsolidiert werden, sagt er gegenüber der Angentur "Reuters".

So bleibt nicht viel, um die unter der Schuldenlast und den Reformauflagen ächzenden Länder zu entlasten, außer: Zeit. Christine Lagarde hat für Griechenland einen Aufschub von zwei Jahren ins Gespräch gebracht, auch für Portugal und Spanien fordert sie mehr Geduld. Bei den anderen Geldgebern aus der Eurozone trifft der Vorschlag auf ein gemischtes Echo. Und der Währungsfonds erlebt ein absolutes Novum: der bisher als hart und herzlos verschrieene Internationale Währungsfonds wandelt sich zum Softie, der deine Partner von einer weicheren und sanfteren Linie überzeugen muss.

Das sind schlechte Nachrichten für den deutschen Finanzminister Wolfgang Schäuble: Denn der ist unermüdlich damit beschäftigt, die europäischen Partner auch in Hinblick auf den EU-Gipfel am 18. und 19. Oktober auf Sparkurs zu halten. Lagarde hat den Schuldnerländern vor wenigen Tagen in Tokio eine Argumentationshilfe gegeben.