Frankfurt am Main. Die geplante Finanztransaktionssteuer wird zu massiven Belastungen führen, fürchtet die Deutsche Börse. Die Abgabe erhöhe die Kosten für Händler um 250 Prozent, sagte der für das Handelsgeschehen zuständige Vorstand Frank Gerstenschläger im Gespräch mit den Nachrichtenagenturen dpa-AFX und dpa. "Wer glaubt, dass das nicht zu Abwanderungen in ein anderes Land, eine andere Plattform oder eine andere Produktkategorie führt, der irrt." Notwendig sei zumindest ein europäischer Ansatz.

Zehn europäische Länder - darunter Österreich, Deutschland und Frankreich - haben sich darauf verständigt, bei der Börsensteuer voranzugehen. Eine EU-weite Einführung ist nicht in Sicht, da vor allem die Nicht-Euro-Länder Großbritannien und Schweden bremsen. Frankreich hat bereits Anfang August eine Abgabe eingeführt. Wie sich diese auswirke, könne er noch nicht beurteilen, sagte Gerstenschläger.

Der Ende März 2013 ausscheidende Kassamarkt-Vorstand betonte, der Frankfurter Marktbetreiber spreche sich keinesfalls gegen mehr Regeln aus: "Wir als Infrastrukturanbieter haben ein großes Interesse daran, dass Dinge standardisiert werden und mehr Transparenz entsteht. Wir sind Teil der Lösung, nicht des Problems."

Deswegen begrüße der Dax-Konzern auch die von der Bundesregierung geplanten Regeln für den Hochfrequenzhandel. Er warnte allerdings vor einer Verteufelung des Instruments: "Der schnelle elektronische Handel hilft den Märkten - er sorgt für Liquidität und leistet einen wichtigen Beitrag zur Preisfindung."

Vor allem müsse der außerbörsliche Handel reglementiert und zu Transparenz gezwungen werden. Wichtig sei jedoch, dass bei neuen Regeln "nicht an jeder Grenze wieder eine neue Komplexität" entstehe, mahnte Gerstenschläger.

Die Deutsche Börse selbst, die am Montag (29.10.) ihre Zahlen für das dritte Quartal veröffentlicht, hat aktuell mit stark sinkenden Umsätzen zu kämpfen. Einen neuen Anlauf zu Fusionen oder Zukäufen plane die Deutsche Börse nach dem im Februar von Brüssel gestoppten Versuch zum Zusammenschluss mit der New Yorker NYSE derzeit nicht, sagte Gerstenschläger.