Basel/Brüssel.

(hes) Je enger das Netz der Finanzmarktregulierung geknüpft wird, umso mehr Fische versuchen durch die Maschen zu schlüpfen. Allzu schwierig wurde ihnen das bisher allerdings nicht gemacht. Abseits der Banken wuchern sogenannte "Schattenbanken": Akteure wie Geldmarktfonds, spezielle Hedgefonds oder sonstige Vehikel, die bankähnliche Geschäfte machen, dabei aber nicht denselben strengen Regeln unterliegen - die allerdings auch keinen Zugriff auf Zentralbankgeld oder auf die staatlich garantierte Einlagensicherung haben.

Die Krise hat dem Schattenbankwesen nicht geschadet - im Gegenteil. Zwischen 2002 und Ende 2011 ist der Sektor von 26 auf 67 Billionen US-Dollar angewachsen, schreibt der Finanzstabilitätsrat (FSB) in Basel in seinem jüngsten Bericht. Gemessen an Vermögenswerten sind die Schattenbanken damit halb so groß wie "offizielle" Banken - und sie repräsentieren 111 Prozent der Wirtschaftsleistung. Der größte Teil der Schattengewächse wuchert in den USA (35 Prozent), gefolgt von der EU (33 Prozent) und Großbritannien (13 Prozent).

Daran ist keineswegs alles schlecht, betont die NGO Finance-Watch in Brüssel, eine Art Gegenlobby zur Finanzindustrie. Für Investoren seien die Schattenbanken wichtige Geldquellen abseits von Spareinlagen. Speziell für kurzfristige Liquidität sind Geldmarktfonds nahezu unverzichtbar geworden. Die Verlagerung riskanter Deals von traditionellen Banken zu risikoaffinen Investoren, für die der Steuerzahler nicht geradesteht, ist ebenfalls kein Nachteil.

Allerdings, warnt Finance-Watch, sind die Risiken damit nicht verschwunden - es gibt enge Querverbindungen von Geschäfts- und Schattenbanken. Durch diese Vernetzung entstehen neue Klumpenrisiken, die sich zur Bedrohung für den ganzen Finanzsektor auswachsen können - und das gerade in Stresszeiten, weil von den Kurzzeitfinanciers das Geld als Erstes abgezogen wird. So war die Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers und der Fast-Kollaps des Versicherers AIG nicht zuletzt deshalb so bedrohlich, weil an beiden ein Rattenschwanz unübersehbarer Kreditgeschäfte hing. Zudem werden Schattenbanken gerne dazu verwendet, um die Finanzmarktregulierer auszutricksen.

USA drohen auszuscheren


Das FSB stellte nun Vorschläge für eine verschärfte Kontrolle zur Debatte - bis September 2013 soll es endgültige Empfehlungen geben. Die Europäische Kommission hat ebenfalls ein Grünbuch Schattenbanken veröffentlicht.

Die Finanzmarktregulierung kommt in die kritische Phase: Der Vizechef der US-Bankenaufsicht, Thomas Hoenig, hat soeben angezweifelt, ob die USA die Kapitalvorschriften für die Banken ("Basel III") umsetzen werden: Diese seien zu komplex. Das Regelwerk von "Basel II" haben die USA bis heute nicht umgesetzt.