Phnom Penh.

Die Asien-Pazifik-Region schickt sich an, die weltgrößte Freihandelszone zu werden. Darauf einigten sich am Dienstag 16 Staaten am Rande des Ostasiengipfels in Kambodscha - unter ihnen auch Schwergewichte wie China und Japan. Die Staats- und Regierungschefs Asiens starteten damit ihre lang erwarteten Freihandelsgespräche, die neben der Stärkung der eigenen Wirtschaftsmacht auch helfen sollen, unabhängiger vom krisengebeutelten Westen zu werden.

Die geplante Freihandelszone umfasst die zehn Mitglieder der Südostasiatischen Staatengemeinschaft Asean (Thailand, Vietnam, Indonesien, Laos, Malaysia, Myanmar, Singapur, Brunei, Kambodscha und die Philippinen) sowie neben China und Japan - der zweit- und drittgrößten Volkswirtschaft der Welt - Südkorea, Indien, Australien und Neuseeland.

Durch den Zusammenschluss entsteht ein gigantisches Handelsgebiet mit mehr als drei Milliarden Menschen, das für etwa ein Viertel des weltweiten Wirtschaftsaufkommens verantwortlich ist. Die Freihandelszone soll mit Ende 2015 in Kraft treten.

"Da die internationale Finanzkrise andauert und Handel und Investitionsprotektionismus zunehmen, wurde regionale wirtschaftliche Integration die allgemeine Wahl von vielen Ländern", sagte Chinas Vizeaußenminister Fu Ying in Peking. Denn noch sind die Volkswirtschaften Asiens zu einem wesentlichen Teil von Exporten in die Industrienationen abhängig.

Wackelige Kooperation

Wie kooperationsfähig die asiatisch-pazifischen Länder wirklich sind, bleibt trotz aller Absichtserklärungen offen. Die jetzige Einigung kann zumindest als positives Zeichen gewertet werden, denn: Bisher hatte der Territorialstreit um Inseln im Südchinesischen Meer für steten Unmut zwischen den betroffenen Anrainer-Ländern gesorgt. Die Philippinen, Vietnam, Malaysia und Brunei - alles Asean-Staaten - machen neben China, Taiwan und Japan ebenfalls Ansprüche auf Inseln geltend.

Ostasiengipfel-Gastgeber Kambodscha etwa, ein enger Verbündeter Chinas, sprach am Gipfel von einem Konsens, den Konflikt nicht zu "internationalisieren". Die Philippinen, wiederum ein enger Verbündeter der USA, widersprachen: So eine Absprache habe es nicht gegeben.

Skeptiker der neuen Megafreihandelszone werfen auch ein, dass die Asean-Länder selbst mit der Asean-internen wirtschaftlichen Integration - der Asean Economic Community (AEC) - nur schleppend voran kommen. Die AEC wird gerne als "asiatische EU" bezeichnet, da ihr Ziel der möglichst freie Fluss von Gütern, Dienstleistungen, Investitionen, Kapital und Arbeitskräften innerhalb der zehn Asean-Staaten ist. Unbestätigten Medienberichten zufolge musste am Ostasiengipfel die Implementierung AEC-Wirtschaftszone wiederum um ein Jahr verschoben werden auf Ende 2015, um weitere notwendige Maßnahmen vorzubereiten.

Am Rande des Ostasiengipfels kam es zwischen US-Präsident Barack Obama und Chinas Premier Wen Jiabao zum ersten Treffen seit Obamas Wiederwahl. Die USA versuchen in der Region ein strategisches Gegengewicht zu China aufzubauen und unterstützen im Inselstreit oftmals die Asean-Staaten, die sich mit Peking in den Haaren liegen. Beide Seiten versuchten zu kalmieren. Obama und Wen kündigten einen intensiven Dialog in Wirtschafts- und Sicherheitsfragen an. Obama warb am Gipfel bei den Asean-Ländern gleichzeitig für seine Transpazifische Partnerschaft, die US-Exporte in die Region ankurbeln soll.