Berlin. Die deutsche Stiftung Warentest warnt vor dem Verzehr bestimmter Schokoladen in Kinder-Adventkalendern: Die Konsumentenschützer haben in einem Test Rückstände von Mineralölen und ähnlichen Substanzen in 24 Produkten nachgewiesen. Die Schokolade in neun Adventkalendern enthielten besonders kritische Mineralölbestandteile (aromatische Mineralöle), die krebserregend sein könnten, teilten die Verbraucherschützer am Montag mit.

Die Rückstände dürften vorrangig aus den Kartonverpackungen stammen, die aus recyceltem Altpapier mit mineralölhältigen Farben aus dem Zeitungsdruck hergestellt wurden, vermuten die Prüfer. Die Substanzen könnten während der Lagerzeit in die Schokolade gekommen sein. Schokolade besteht aus reichlich Fett, in dem sich Mineralöle gut anreichern können.

Diskonter- und Markenprodukte betroffen

Bei acht Adventkalendern wurde Mineralöl nachgewiesen, das offenbar von Maschinen stammt, etwa bei Milka und Smarties.

Am schlechtesten schnitten Adventkalender von Arko, der Confiserie Heilemann und Rausch ab, die zudem hohe Gehalte von nicht-aromatischen Mineralölen enthielten. Hohe Gehalte wiesen die Tester auch in den Kalendern von Friedel, Reichsgraf von Aldi (Nord) und den Schlümpfen nach. Das heißt: Hier fanden die Tester mehr als 10 Milligramm pro Kilogramm Schokolade.

Insgesamt zwölf Kalender waren zum Zeitpunkt der Analyse nur gering mit diesen Mineralölen belastet und gleichzeitig frei von aromatischen Mineralölrückständen. Darunter sind teure Markenprodukte, etwa von Milka und Hussel, sowie Diskonter-Ware für ein paar Cent von Netto, Norma und Lidl.

Der Geschäftsführer der Confiserie Heilemann, Peter Schrage, sagte laut "Spiegel Online": "An unserer Schokolade liegt es nicht. Offenbar hat sich ein Zulieferer nicht an unsere Spezifikationen gehalten." Normalerweise verwende Heilemann keine Recycling-Materialien für die Verpackung. Ein anderer Kalender, den die Firma für einen Kunden hergestellt habe, sei sehr gut bewertet worden. Jetzt werde der gesamte Produktionsprozess in einem Labor untersucht.

Die Süßwarenkette Arko hat bereits reagiert und ein beanstandetes Produkt aus den Regalen genommen. "Wir haben rein vorsorglich entschieden, den betroffenen Artikel sofort aus dem Verkauf zu nehmen", sagte Geschäftsführer Torsten Teufert. Sollten Kunden das Produkt bereits gekauft haben und zurückgegeben wollen, werde man kulant sein und ihnen den Kaufpreis erstatten. Das Unternehmen werde den Adventkalender nun in eigenen Tests untersuchen lassen.

Die Stiftung Warentest hat sich bei ihrer Bewertung an Erfahrungswerten von Fachleuten orientiert, weil die EU noch keinen Grenzwert festgelegt hat. Der Grund: Toxikologische Studien fehlen. Zurzeit können Wissenschafter nicht eindeutig abschätzen, wie stark Mineralöle den Menschen gefährden. Einige Hinweise gibt es schon: So können sich insbesondere die kurzkettigen nicht-aromatischen Mineralöle im menschlichen Gewebe anreichern. Im Tierversuch werden sie laut Stiftung Warentest mit Entzündungserscheinungen der Leber in Zusammenhang gebracht.

Die Testergebnisse sind online auf www.test.de abrufbar.