München. (apa/dpa) "Der ,Fall Mollath‘ darf in die Rechtsgeschichte nicht als Justizskandal eingehen", plädiert mittlerweile auch Deutschlands Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger. 2003 zeigte Gustl Mollath seine Frau, die Mitarbeiterin bei der HypoVereinsbank (HVB) war, mehrere ihrer Kollegen und 24 Kunden an. Kern der Vorwürfe: Sie seien in Schwarzgeldgeschäfte in der Schweiz verwickelt. Nachgegangen wurde den Anschuldigungen über Jahre nicht. Hingegen sitzt Mollath seit 2006 in der Psychiatrie, weil er seine Frau misshandelt und Reifen zerstochen haben soll. Doch zwischenzeitlich haben sich manche Vorwürfe Mollaths bestätigt.

Seit Jahren wusste die HVB - sie gehört wie die Bank Austria - zur italienischen UniCredit und zählt zu Deutschlands größten Banken - aufgrund interner Revisionsunterlagen, dass viele Angaben Mollaths stimmen. Ins Schussfeld geriet nach Bekanntwerden der Affäre neben der Bank die bayerische Landesspitze. Justizministerin Beate Merk, die sich über Wochen gegen eine Überprüfung des Falls ausgesprochen hatte, rudert nun angesichts des öffentlichen Drucks zurück.

Weitere schlechte Nachricht für die HVB: Wegen des Verdachts der schweren Steuerhinterziehung bei Aktienhandelsgeschäften mit einer Schadenshöhe von 113 Mio. Euro wurden Büros der Bank durchsucht. Ein Börsenhändler sowie die Bank könnten sich auf Kosten des Fiskus den erzielten Profit bei den Aktienhandelsgeschäften geteilt haben, so der Verdacht. 65 Prozent für die Bank, 35 Prozent für den Händler sei das Schema gewesen.