Washington. (wak) Einen Schuss vor den Bug haben die Finanzbehörden der USA nun Europas größter Bank verpasst. Die HSBC wird mit 1,92 Milliarden Dollar die bisher größte Strafzahlung der Geschichte leisten. Die Summe ist das Ergebnis eines Vergleichs mit den US-Behörden, um ein langwieriges Gerichtsverfahren zu verhindern. Das Eis war aber ohnedies dünn, nachdem der US-Senat im Juli festgestellt hatte, dass die Bank über Jahre hinweg Kunden geholfen habe, fragwürdige Gelder aus Ländern wie Mexiko, dem Iran, Saudi-Arabien und Syrien in die USA zu transferieren. Dabei soll es sich um 15 Milliarden Dollar handeln, die zwischen 2006 und 2009 nicht ordentlich geprüft worden sind. Zu den beanstandeten Geldflüssen gehören Verletzungen des "Handel mit dem Feind"-Gesetzes (etwa mit dem sanktionierten Iran) sowie Transaktionen aus Quellen des Drogenhandels und der Steuerhinterziehung.

Waschgang mit drei Zyklen

Während sich im Fall des Irans die Bank nicht an das Embargo gehalten hatte, hat sie in Mexiko offenbar Gelder von Drogenkartellen angenommen und an ihre Filialen in den USA überwiesen. Die HSBC erklärte das mit fehlenden Kontrollen, zu der die Bank aber laut den "Financial Action Task Force on Money Laundering" der OECD verpflichtet gewesen wäre. 130 Länder haben die Richtlinien ratifiziert (Österreich ist der Arbeitsgruppe mit seinen geheimen Sparbüchern noch immer ein Dorn im Auge). Die Banken sind verpflichtet, Systeme der Überwachung einzurichten und Mitarbeiter zu schulen, misstrauisch zu werden: Sobald größere Geldbeträge überwiesen werden, muss die Herkunft überprüft werden.

Denn hier kann man schmutziges Geld noch am leichtesten abfangen: Experten sprechen von drei Schritten bei der Reinwaschung schmutzigen Gelds - die Einzahlung bei einem Finanzinstitut, die Umschichtung und die Rückkehr in die "normale" Wirtschaft.

Bei der Umschichtung wird das Geld durch diverse Kanäle geschickt, etwa Bank-zu-Bank-Transaktionen, internationalen Transaktionen, dem Wechsel von Währungen bis hin zum Kauf von teuren Sachwerten.

Im dritten Schritt, der Integrierung, kommt das Geld wieder zurück in den Wirtschaftskreislauf in Form einer legal aussehenden Transaktion.

Beliebt sind dabei vor allem Finanzinstitute, die Filialen in verschiedenen Ländern halten. Die HSBC hat nun auch ihr "Kenne deinen Kunden"-Programm aufpoliert: Die Filialen in den USA müssen bei Überweisungen von HSBC-Filialen außerhalb der USA die gleiche Sorgsamkeit aufwenden, wie sie allen anderen Kunden entgegenbringen müssen. Sprich: Am Papier wurde der bisher offenbar gängige Vertrauensvorschuss, dass das Geld aus einer Schwesterfiliale kommt (und daher nicht mehr überprüft werden muss), gestrichen.