Wien. Es gibt sie als Kapseln, Tabletten, Pulver oder Säfte und sie versprechen den "Weg zum Wunschgewicht", einen "gesunden Energieschub - auf Abruf" und "das ganze Gesundheitsprogramm der Natur in einem Paket". "Wer Nahrungsergänzungsmittel nimmt, hat das Gefühl, damit etwas für seine Gesundheit zu tun", sagt Franz Floss, Geschäftsführer des Vereins für Konsumenteninformation (VKI).

Tabletten oder Obst? Nahrungsergänzungsmittel ersetzen keine ausgewogene Ernährung. - © fotolia
Tabletten oder Obst? Nahrungsergänzungsmittel ersetzen keine ausgewogene Ernährung. - © fotolia

Tatsächlich sind Nährstoffkonzentrate meist überflüssig, urteilen die Verbraucherschützer. Die Nährstoffabdeckung sei über herkömmliche Lebensmittel möglich. Der Ernährungsbericht 2012 des Gesundheitsministeriums zeigte bei den Hauptnährstoffen und bei den meisten Vitaminen und Mineralstoffen einen durchaus guten Status. In gewissen Lebenssituationen kann es jedoch sinnvoll sein, konzentrierte Nährstoffe einzunehmen: In der Schwangerschaft ist Folsäure wichtig, und Hochleistungssportler können Magnesium und Eisen brauchen. Wer Konzentrate zu sich nehmen möchte, sollte sich vorher von einem Arzt, Ernährungswissenschafter oder Diätassistenten beraten lassen. Damit können Wechselwirkungen mit Medikamenten vermieden werden.

19 bis 124 Euro pro Monat

"Eine ausgewogene Ernährung ist gesünder und billiger", sagt Floss. Der VKI schickte zwei Testkunden zu den Direktvertriebsfirmen Amway, Fitline, Herbalife, Juice Plus und Vemma. Die empfohlenen Produkte kosteten zwischen 19 und 124 Euro pro Monat.

Von der Werbung sollten sich Konsumenten nicht blenden lassen, warnt die Arbeiterkammer: "Das meiste ist nicht belegt."

Zwar warb keiner der Berater damit, dass die von ihm angebotenen Nahrungsergänzungsmittel Krankheiten vorbeugen, behandeln oder heilen - das ist verboten. Dennoch berichtet der VKI von "grenzwertigen Aussagen": Ein Berater sagte, er hätte mit dem Präparat seine Diabetes-Erkrankung im Griff. Zudem wurde die Einnahme der Nahrungsergänzungsmittel empfohlen, weil die Böden ausgelaugt seien und das darauf angebaute Obst und Gemüse nicht mehr hochwertig sei. Floss: "Das ist ein Märchen."

Zudem sei den Testern von "rhetorisch sehr gut geschulten Beratern sehr stark nahegelegt" worden, als selbständiger Berater einzusteigen und die Produkte selbst zu verkaufen. Dafür sei kein Fachwissen nötig, nur der Gewerbeschein.