Edinburgh. Es wird teuer für die Royal Bank of Scotland (RBS): Die verstaatlichte britische Großbank hat sich am Mittwoch wegen der Manipulation des Zinssatzes Libor zur Zahlung einer Geldstrafe über 452 Millionen Euro bereit erklärt. Diese Summe muss das Kreditinstitut an amerikanische und britische Kontrollbehörden zahlen. Investmentbank-Chef John Hourican zieht die Konsequenzen aus dem Desaster und tritt von seinen Ämtern zurück. Zudem will die RBS 348,9 Millionen Euro einsparen.

Die Strafzahlung für RBS ist bisher die zweithöchste in Zusammenhang mit dem Libor-Skandal. Spitzenreiter ist die Schweizer Großbank UBS, die umgerechnet 1,16 Milliarden Euro bezahlen musste. Die britische Barclays berappte 343 Millionen Euro. Der Zinssatz Libor (London Interbank Offered Rate) wird täglich am Finanzplatz London nach Angaben von 16 internationalen Banken festgelegt und zeigt an, zu welchen Konditionen sich die Institute untereinander Geld leihen.

"Hundertfach" gefälscht


Mit falschen Angaben haben Händler jahrelang illegal Gewinne kassiert. Noch immer wird gegen insgesamt mehr als ein Dutzend Banken ermittelt, darunter auch die Deutsche Bank. Diese beurlaubt im Zinsskandal Finanzkreisen zufolge erstmals auch Händler in Frankfurt. Insgesamt seien fünf Mitarbeiter aus dem Geldmarktteam in dieser Woche suspendiert worden, sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person am Mittwoch. "Grund war ein mögliches Fehlverhalten dieser Händler." Bei der Deutschen Bank sind Vergleichsverhandlungen im Moment noch kein Thema.

Unterdessen machte die US-Aufsichtsbehörde CFTC bekannt, dass die RBS nach ihren Erkenntnissen den Yen- und Franken-Libor mindestens von Mitte 2006 bis 2010 "hundertfach" mehr oder weniger erfolgreich durch ihre Meldungen gefälscht habe. Der britische Finanzminister George Osborne hat bereits betont, dass die Bank für die nötigen Zahlungen nicht auf Steuergelder zurückgreifen könne.