Karel De Gucht (links im Bild) mit Pascal Lamy, dem Generaldirektor der Welthandelsorganisation (WTO), im Jänner des Vorjahres. Der Franzose Lamy war von 1999 bis 2004 EU-Kommissar für Außenhandel. - © APAweb / EPA/LAURENT GILLIERON
Karel De Gucht (links im Bild) mit Pascal Lamy, dem Generaldirektor der Welthandelsorganisation (WTO), im Jänner des Vorjahres. Der Franzose Lamy war von 1999 bis 2004 EU-Kommissar für Außenhandel. - © APAweb / EPA/LAURENT GILLIERON

Brüssel/Straßburg. Es ist nur ein logistischer Zufall. Doch den Abgeordneten kann es nur gefallen, dass EU-Handelskommissar Karel De Gucht die Pläne der Brüsseler Behörde am Dienstag ausgerechnet in Straßburg präsentiert, wo gerade das Europäische Parlament zu seiner Plenarsitzung zusammengekommen ist. Es geht dabei um die Verhandlungen über ein Handelsabkommen zwischen der EU und den USA, die schon bald starten sollen. Das Mandat dafür stimmt die Kommission bei einem ihrer wöchentlichen Treffen ab - das diesmal in Straßburg stattfindet.

Dieser Gesprächsbasis müssen die Mitgliedstaaten noch zustimmen, damit die Verhandlungen tatsächlich beginnen können. Dies könnte noch vor dem Sommer geschehen. Das EU-Parlament kann zwar erst zum Schluss für oder gegen den Vertrag votieren, doch sei eine frühere Einbindung der Volksvertretung ratsam, heißt es in Brüssel. Allzu frisch ist nämlich noch die Erinnerung daran, wie die Abgeordneten verhinderten, dass das internationale Anti-Piraterie-Abkommen "Acta" in Kraft tritt.

So wird De Gucht nicht müde, für den nun geplanten Vertrag zu werben, der die EU und die USA zur größten Freihandelszone der Welt machen würde. Und genau dort ortet er auch ein großes Potenzial der Europäer, die Wirtschaft wieder anzukurbeln. "Nur dank des Handels waren wir 2011 und 2012 nicht in einer tiefen Rezession", sagt der Belgier im Gespräch mit mehreren EU-Korrespondenten.

Furcht vor Genmanipulation

Der Belgier Karel De Gucht ist als EU-Handelskommissar an den Gesprächen über ein Abkommen mit den USA beteiligt. Der flämische Liberale will die Verhandlungen in zwei Jahren abschließen. - © epa
Der Belgier Karel De Gucht ist als EU-Handelskommissar an den Gesprächen über ein Abkommen mit den USA beteiligt. Der flämische Liberale will die Verhandlungen in zwei Jahren abschließen. - © epa

Das nun angestrebte Abkommen würde einen weiteren ökonomischen Schub bedeuten. Nach Schätzungen der Brüsseler Behörde könnte der Vertrag bis 2027 die Wirtschaft der EU jährlich um 0,5 Prozent wachsen lassen. Das entspräche Zusatzeinnahmen in der Höhe von 86 Milliarden Euro pro Jahr.

Dass die Gespräche bei einigen Staaten und ihren Bürgern auch Unbehagen auslösen, ist De Gucht bewusst. Schon wurden Sorgen geschürt, die Europäer müssten in Chlor getauchte US-Hühnchen importieren oder genmanipulierten Produkten uneingeschränkten Zugang zu ihren Märkten gewähren. Das Agrarland Frankreich sperrte sich überhaupt lange Zeit gegen zu viele Lebensmittelimporte aus den USA.

Der Handelskommissar hingegen plädiert für eine "Ent-Dramatisierung der Angelegenheit". Zu den Chlorhühnern meint er: "Ich glaube, wir sind manchmal zu philosophisch. Warum lösen wir das Problem nicht einfach durch Etikettierung? Lassen wir doch den Konsumenten entscheiden, ob er ein bestimmtes Produkt kauft oder nicht."