Ebenso wenig hat De Gucht Angst vor einer Überschwemmung des europäischen Marktes mit genmanipulierten Waren. Stattdessen verweist er auf die gültige Gesetzgebung. Die erlaubt den Import bereits unter bestimmten Bedingungen - und überlässt etliche Regelungen den Mitgliedstaaten selbst. "Für die Zulassung gibt es strenge Regeln, und die werden sich durch ein Freihandelsabkommen nicht ändern", stellt der Politiker klar. "Niemand öffnet eine Tür ohne den passenden Schlüssel."

Doch das sind nicht die einzigen Hürden auf dem Weg zu einem Vertrag. So könnten die unterschiedlichen Auffassungen zum Datenschutz ebenso eine Rolle spielen. Schon jetzt werben US-Lobbyisten in Brüssel intensiv dafür, eine geplante EU-Gesetzgebung zu strengerem Datenschutz zu entschärfen. De Gucht bestätigt, dass es dazu Gespräche zwischen den Partnern gibt. Ob die Vereinbarungen aber im Rahmen der Verhandlungen über das Abkommen oder parallel dazu geführt werden, sei noch offen.

Multilateraler Weg zu Ende?


Bis all dies geregelt ist, wird jedenfalls noch einige Zeit vergehen. Die Kommission rechnet mit mindestens zwei Jahren. Ob De Gucht das Ende der Verhandlungen noch als Handelskommissar erleben wird, ist freilich nicht sicher. Die jetzige Amtsperiode der Behörde läuft Ende des kommenden Jahres aus. Das scheint den Politiker aber ebenso wenig zu bekümmern wie die Befürchtungen, die einer seiner Vorgänger geäußert hatte. Der Abschluss von bilateralen Abkommen würde multilaterale Verträge der Welthandelsorganisation (WTO) unnötig machen und berge die Gefahr, internationale Partner zu verschrecken, hieß es noch vor ein paar Jahren. Im Gegensatz dazu sieht De Gucht den multilateralen Weg auch jetzt nicht als überholt an. Die Europäer seien zu Gesprächen darüber durchaus bereit. "Aber wir können nicht länger darauf warten, die beiden größten Wirtschaftsräume der Welt in einer Zone zu vereinen."

Dass das andere Handelspartner wie beispielsweise China verärgern könnte, schließt der Kommissar nicht aus. "Das ist aber nicht mein Problem", erklärt er: "Ich bin für Europa verantwortlich."