München/Hamburg. Eine anonyme Quelle hat internationalen Medien nach Angaben der "Süddeutschen Zeitung" und des Norddeutschen Rundfunks (NDR) einen riesigen Datensatz über geheime Geschäfte in Steueroasen zugänglich gemacht. Wie SZ und NDR am Donnerstag berichteten, finden sich in den Unterlagen auch Hunderte deutsche Fälle.

Bisher vertrauliche Dateien belegten, auf welchen geheimen Wegen Reiche und Kriminelle Briefkastenfirmen und sogenannte Trusts nutzten, um große Vermögen zu verstecken und zweifelhafte Geschäfte zu verschleiern, schrieb die Zeitung. Von diesem Donnerstag an präsentierten Medien aus insgesamt 46 Ländern erste Ergebnisse der Daten-Analysen. In Deutschland seien sie exklusiv der SZ und dem NDR zur Verfügung gestellt worden.

Recherchen bereits seit Oktober
Die Recherchen bei der "Süddeutschen Zeitung", der "Schweizer Sonntagszeitung" und beim "NDR" in Sachen Offshore-Leaks dauern bereits seit vergangenem Oktober an. Das sagte ein involvierter "SZ"-Redakteur am Donnerstag zur APA. Kein österreichisches Medium ist Mitglied im "ICIJ" (International Consortium of Investigative Journalists); die Daten gingen nur an Mitglieder.

Die Auswirkungen der bisher gefundenen Fakten in der EU seien "schwer abzuschätzen", sagte der Redakteur, "klar ist, die Recherchen werden weitergehen. Das Projekt ist längst nicht beendet." Er sei schon neugierig auf die Reaktionen in Deutschland, "aber skeptisch, ob tatsächlich ein Interesse an echtem Wandel besteht".

130.000 Personen aus mehr als 170 Ländern

Die Auswertung der Daten über das riesige globale Steuerhinterziehernetzwerk war wahrlich eine Sisyphusarbeit. Immerhin waren die brauchbaren Informationen 260 Gigabyte groß und beinhalteten 2,5 Millionen Dateien, davon mehr als 2 Millionen E-Mails, anhand derer die rasante Entwicklung einer riesigen Offshore-Industrie über einen langen Zeitraum hinweg nachvollzogen werden konnte, wie das Internationale Konsortium für investigative Journalisten (ICIJ) in Washington auf seiner Homepage schreibt.

ICIJ-Direktor Gerard Ryle hat das Datenkonvolut in Folge seiner dreijährigen Recherche zum australischen Firepower-Betrugsskandal zugespielt bekommen. An der Aufarbeitung der Daten waren in der ICIJ organisierte 86 Journalisten aus 46 Ländern beteiligt. Es handelt sich dabei um eine der größten grenzüberschreitenden Kooperationen im investigativen Journalismus.