Berlin. (reuters) Die Redaktion der "Süddeutschen Zeitung" will dem Wunsch von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble nicht nachkommen, ihre Informationen über dubiose Finanzgeschäfte in Steueroasen an die Behörden weiterzuleiten. "Dieser Bitte kann, darf und wird die ,Süddeutsche Zeitung‘ nicht nachkommen", teilte die Redaktion am Freitag auf ihrer Webseite mit. Zur Pressefreiheit gehöre es, dass die Informanten der Presse vom Redaktionsgeheimnis geschützt würden und geschützt blieben. "Eine Weitergabe der Daten an Ermittlungsbehörden würde diesen Schutz gefährden und weitere Recherchen infrage stellen." Die Presse sei kein Hilfsorgan der Polizei, der Staatsanwaltschaft oder der Steuerfahndung. Würde sie diese Rolle einnehmen, könnte sie ihre ureigenen Aufgaben nicht mehr nachkommen.

Schäuble hatte an die Medien appelliert, den Datensatz über mutmaßliche Steuerflüchtlinge an die Behörden weiterzugeben. Das erhöhe bei bislang bremsenden Staaten möglicherweise die Bereitschaft, länderübergreifend zusammenzuarbeiten. In Deutschland hat die "Süddeutsche Zeitung" zusammen mit dem NDR Zugang zu den Daten. Internationale Medienpartner sind unter anderem die "Washington Post", der "Guardian" in Großbritannien und "Le Monde" in Frankreich. Koordiniert wurde das Projekt vom Internationalen Konsortium für investigative Journalisten (ICIJ).

Dem Internationalen Konsortium für investigative Journalisten war anonym ein Datensatz über verschleierte Kapitalbewegungen in Steueroasen zugespielt worden. Darin ist von mehr als 130.000 Personen aus gut 170 Ländern die Rede, die darin verwickelt sein sollen.