Washington/Luxemburg. Die Ausnutzung legaler Steuerschlupflöcher richtet aus Sicht des Internationalen Währungsfonds (IWF) mehr Schaden an als Steuerparadiese. Maßnahmen gegen die sogenannte Steueroptimierung seien "die Schlüsselfrage", sagte eine IWF-Sprecherin der Nachrichtenagentur AFP. Eine Gefahr für die Finanzstabilität sieht der Fonds in den Niedrigsteueroasen nicht. "Das ist nicht unsere Meinung", so die Sprecherin in dem Interview am Freitag.

Mehrere Medien hatten am Donnerstag weltweite Geschäfte mit Steueroasen enthüllt. Dazu war ihnen von Mittelsmännern ein Datensatz mit 2,5 Millionen Dokumenten zugänglich gemacht worden.

Im Kampf gegen Geldwäsche und Steueroasen seien in letzter Zeit Fortschritte gemacht worden, hieß es beim IWF. "Aber dadurch wird die Schlüsselfrage nicht gelöst." Durch Steueroptimierung sei es möglich, mit mehr oder weniger komplexen Operationen ganz legal Steuerabgaben zu umgehen. Deswegen müsse nach Wegen dagegen gesucht werden, die politisch akzeptabel und technisch kohärent seien, sagte die Sprecherin.

Luxemburg: Lehnen Informationsaustausch nicht mehr strikt ab
Luxemburg ist - im Unterschied zu Österreich - bereit, sein Bankgeheimnis zu lockern. "Wir wollen eine verstärkte Zusammenarbeit mit den ausländischen Steuerbehörden", sagte der luxemburgische Finanzminister Luc Frieden der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". "Der internationale Trend geht zu einem automatischen Informationsaustausch. Den lehnen wir, anders als früher, nicht mehr strikt ab." Bei diesem Austausch werden Zinserträge von Ausländern automatisch an die Finanzbehörden des Heimatlandes gemeldet.

Luxemburg baue nicht auf Kunden, die Steuern sparen wollen, erklärte Frieden. Österreich und Luxemburg sind bis dato die einzigen der 27 EU-Staaten, die die Erteilung eines Verhandlungsmandats an die EU-Kommission über eine Reform der Zinsbesteuerungsrichtlinie blockieren. Österreich fürchtet, nach solchen Verhandlungen mit fünf europäischen Drittstaaten sowie mit den USA zum automatischen Informationsaustausch übergehen zu müssen, was de facto eine Aufhebung des Bankgeheimnisses bedeuten würde und von Wien abgelehnt wird. Frieden hatte bereits vor seinen Aussagen gegenüber der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" eine Verhandlungsbereitschaft durchklingen lassen.