Der Goldpreis ist auf Talfahrt. - © APAweb/AP/Kamran Jebreili
Der Goldpreis ist auf Talfahrt. - © APAweb/AP/Kamran Jebreili

Washington/Wien. (wak) Vermutlich war es das Sitzungs-Protokoll, waren sich bald viele Analysten einig. Alles andere würde sonst keinen Sinn ergeben. Ende März trafen sich die US-Notenbanker der Federal Reserve, um über ihre geldpolitische Haltung zu beraten. An sich wurde keine Änderung der Geldmenge bekannt gegeben, doch laut Protokoll sprachen sich einige der Banker dafür aus, die Geldflut in diesem Jahr zu drosseln.

Damit würde Gold als Inflationsschutz uninteressant, erklärten Marktbeobachter unisono.

Der Goldpreis hat seine Talfahrt am Montag beschleunigt und ist erstmals seit zwei Jahren unter die Marke von 1400 US-Dollar gefallen. Eine Feinunze Gold (etwa 31 Gramm) rutschte im Mittagshandel zeitweise auf 1384.69 Dollar und damit auf den tiefsten Stand seit April 2011.

Commerzbank-Experte Eugen Weinberg sprach von einem "panikartigen Ausverkauf" am Goldmarkt. Bereits am Freitag war der Kurs um etwa fünf Prozent eingebrochen. Auf dem Papier hatten innerhalb eines Tages gut 1140 Tonnen Gold den Besitzer gewechselt.

"Wir haben hier eine massive Liquidierung von allen Seiten gesehen, von Investmentfonds genauso wie von chinesischen oder indischen Einzelpersonen. Alle getragen von dem Gedanken: "Wir müssen hier raus", sagte David Govett von der Brokerfirma Marex Spectron.

Stärkster Kursverfall innerhalb von zwei Tagen


Seit Donnerstag ist Gold um etwas mehr als elf Prozent gefallen. Das war der stärkste Kursverfall innerhalb von zwei Handelstagen seit 30 Jahren. "Das erinnert alles ein bisschen an den Flash Crash des Dow Jones", meint Rohstoff-Experte Ronald Stöferle, Partner bei Incrementum. 2010 fiel der Dow Jones an einem Tag um 1000 Punkte (rund neun Prozent) und machte die Verluste binnen Minuten wieder gut.

Der bodenlose Fall des Goldpreises am vergangenen Freitag war "sehr eigenartig" und sah schon "ein wenig nach Marktmanipulation" aus, urteilt Stöferle. Nun würden Trendfolger die Abwärtsspirale noch verstärken. "Ich sehe aber die Panik nur am Papiergoldmarkt, dagegen wird weiterhin physisches Gold zugekauft." Gegen Juni, Juli werde sich die Lage stabilisiert haben.