Wien. Wenn von Algen die Rede ist, dann meist in Verbindung mit dem Begriff Plage. Damit tut man den urzeitlichen Organismen allerdings ziemlich Unrecht. Denn: Algen gelten heute als die wichtigste nachwachsende Ressource der Zukunft. Das niederösterreichische Unternehmen ecoduna hat das Potenzial der Alge längst erkannt und leistet Pionierarbeit auf dem Gebiet der Mikroalgen-Zucht.

Die Hängenden Gärten von Bruck: Algenzucht auf Niederösterreichisch. - © Foto: ecoduna
Die Hängenden Gärten von Bruck: Algenzucht auf Niederösterreichisch. - © Foto: ecoduna

Innovationsführer

Ursprünglich wollten die ecoduna-Gründer und -Erfinder Martin Mohr und Franz Emminger eine Algen-Produktionsanlage kaufen, um mit dem selbst produzierten Algenöl einen Motor zu betreiben. "Sie haben sich verschiedene Produktionssysteme angesehen, doch keine erfüllte ihre Anforderungen", erinnert sich David Bernhard, Produktmanager von ecoduna. Also beschloss man, es selbst und besser zu machen. Heute gilt ecoduna weltweit als Innovationsführer in der Entwicklung von Photo-Bioreaktoren zur industriellen Mikroalgen-Zucht. Im Vorjahr eröffnete das Unternehmen, das mittlerweile 25 Mitarbeiter beschäftigt, in Bruck an der Leitha die weltweit erste vollkontinuierliche Zuchtanlage für Mikroalgen in industrieller Größe. Produziert wird die Biomasse in sogenannten "Hanging Gardens".

"Diese zeichnen sich unter anderem durch kontinuierlichen Betrieb aus, sodass die industrielle Produktion, wie wir sie auch aus anderen Bereichen kennen, möglich und damit wirtschaftlich wird," beschreibt Bernhard die Vorteile. "Dabei ist die Anlage einem Baum nachempfunden. Statt aus Stamm und Blättern besteht sie im Prinzip aus einem Stahlgerüst und Panelen, in denen die Algenproduktion erfolgt." Die Einzeller legen innerhalb von elf Tagen eine Strecke von 42 Kilometern zurück - dann sind sie reif und werden geerntet.

CO2-Fresser

Da Algen durch Photosynthese wachsen, benötigen sie Sonnenlicht, Wasser, Nährstoffe und CO2. Ihr einziges "Abfallprodukt" ist Sauerstoff. "Durch ihr überaus schnelles Wachstum können Algen viel mehr CO2 binden als andere Pflanzen", sagt Bernhard. Pro Tonne Algen-Biomasse werden rund zwei Tonnen CO2 gebunden. Ein Benefit, den der schwedische Konzern Vattenfall - er ist der größte thermische Energielieferant Europas - in Kooperation mit ecoduna zu nutzen weiß. Bereits 2011 wurde eine Algen-Zuchtanlage zur Nutzung von CO2 aus dem deutschen Braunkohlekraftwerk Senftenberg errichtet.