Kapstadt. (vee/apa) Im südafrikanischen Kapstadt rauchen die Köpfe. Zahlreiche Staats- und Regierungschefs, Ökonomen und Spitzenmanager grübeln bis zum Wochenende etwa darüber, wie "Made in Africa" zur globalen Marke werden kann. Selten war der Optimismus größer als beim 23. Afrika-Gipfel des Weltwirtschaftsforums. Dafür sorgte nicht zuletzt der jüngste Bericht des Internationalen Währungsfonds (IWF): Afrika könne Indien und sogar China bald als Lokomotive des Weltwirtschaftswachstums ablösen, heißt es da. Und: Afrikas Wirtschaft soll in den kommenden zwei Jahren um jeweils mehr als sechs Prozent wachsen.

Solch eine Entwicklung wäre in der Tat beachtlich. In die gleiche, zuversichtliche Kerbe wie der IWF schlagen auch Analysten von Goldman Sachs oder den Beratungsunternehmen KPMG oder McKinsey. Letztere sprechen gar vom "Löwen auf dem Sprung" und vom "China von morgen".

Lange war Afrika im weltwirtschaftlichen Nirvana angesiedelt. Erst mit dem Aufstieg Chinas und dem damit einhergehenden Rohstoffboom ab Anfang des vorigen Jahrzehnts geriet der Kontinent in den Fokus von Investoren. Seit zehn Jahren liegen die Wachstumsraten Afrikas über dem Weltdurchschnitt - wenn auch von einer niedrigen Basis ausgehend. Vor allem Boomländer wie Nigeria, Mosambik, Angola, Äthiopien, Ghana oder Ruanda träumen davon, ähnlich den asiatischen "Tigerstaaten", gewaltige Entwicklungssprünge zu machen.

Stolpersteine: Sicherheit, Rohstoffe und Armut


Doch ungeachtet allen Optimismus, der am Forum versprüht wird, gibt es eine Reihe an Stolpersteinen. Gerade die Abhängigkeit von Rohstoffexporten (vor allem Öl, Gold, Titan, Uran, Kakao und seltene Erden) droht bei einem Preisverfall die Entwicklung des Kontinents nachhaltig zu bremsen. Die bisherige Konzentration auf Rohstoffe - diese machen 80 Prozent aller Exporte aus Subsahara-Afrika aus - behinderte die Entwicklung anderer wirtschaftlicher Standbeine. In Nigeria etwa kommen nach wie vor 80 Prozent der Staatseinnahmen aus dem Öl- und Gassektor. In Angola sind 85 Prozent der Menschen in der Landwirtschaft tätig. Das heißt gleichzeitig, dass die Industrialisierung verschwindend gering ist. Nach wie vor produzieren Afrikaner kaum Waren für den Export.

Zudem könnte das Land, das dem Kontinent Auftrieb verliehen hat, künftig zu seinem Verhängnis werden. Die weitere wirtschaftliche Entwicklung Chinas hat Experten zufolge immense Auswirkungen auf den Kontinent, manche würden bereits jetzt Auswirkungen des verlangsamten Wachstums spüren.

Auch wenn die Direktinvestitionen zunahmen, beträgt Afrikas Anteil an den weltweiten Auslandsinvestitionen gerade mal 5,6 Prozent. Vielerorts mangelt es weiter an politischer Stabilität. Terroranschläge plagen Länder wie Nigeria, Somalia oder Kenia; Korruption und Misswirtschaft sind weit verbreitet.

Der regionale Handel funktioniert kaum wo so schlecht wie unter den 54 Ländern des Kontinents. Laut Weltbank liegt der Anteil des innerafrikanischen Handels am Gesamthandel Afrikas bei nur zwölf Prozent. Konzepte, wie dem beigekommen werden soll, gibt es kaum.

Hoffnung macht den Afrikanern zumindest ein wachsender Mittelstand, wenngleich die Zahlen umstritten sind. Die große Masse dieses angeblichen neuen Mittelstandes sei eben erst der Armut entronnen, so ein Experte. Der Boom gehe an der Mehrheit der Menschen vorbei.