Tokio/Wien. (hes) Die Nervosität an den Börsen nimmt merklich zu: Nach der fast absurden Kursrally der vergangenen Wochen und Monate musste Japans Börse am Donnerstag einen drastischen Dämpfer hinnehmen. Der Nikkei-Index in Tokio brach um mehr als 1000 Punkte ein und beendete den Handel mit einem Minus von 7,3 Prozent. Wie dramatisch ist dieser Einbruch? Immerhin handelte es sich um den größten Tagesverlust seit der Mehrfachkatastrophe von Fukushima.

Monika Rosen, Chefanalystin des Bank Austria Private Banking, rückt die Dimensionen zurecht: "Nach so einem starken Anstieg kann es schon einmal eine Phase der Konsolidierung geben." Schließlich sei der japanische Aktienmarkt seit Jahresbeginn in der Spitze um 46 Prozent im Plus gewesen - da könne eine Kurskorrektur schon einmal heftiger ausfallen. Das Ausmaß sei allerdings durchaus erstaunlich, sagt Rosen: "Ein Minus von 7,3 Prozent hat man nicht alle Tage."

Dennoch bleibt die Börsenexpertin bezüglich japanischer Aktien optimistisch. Das Plus liege immer noch im Bereich von 40 Prozent. Und: "Der Kurs der Notenbank bleibt ultraexpansiv und der Versuch, dadurch Inflation zu erzeugen, wird fortgesetzt."

Viele Analysten begründeten den Absturz mit schwachen Konjunkturaussichten für China: Ein viel beachteter Einkaufsmanagerindex war unerwartet stark abgesackt. Die Geschäfte der Industrie sind laut dieser Umfrage erstmals seit sieben Monaten unter die Wachstumsschwelle gefallen. Ökonomen sehen darin ein Warnsignal für die Weltwirtschaft.

Das würde erklären, dass jene Sektoren die stärksten Kurseinbußen verzeichneten, die sensibel auf die Konjunktur reagieren - der Automobilsektor, aber auch Banken und Versicherungen. Rosen hält diese Erklärung für eher wenig plausibel: "Japan hatte vom Boom in China kaum profitiert - warum sollte es jetzt unter einer Abschwächung leiden?"

Aktien noch fair bewertet


Feststeht, dass der Horrortag für Japans Börsianer nicht ohne Folgen für alle anderen Börsenplätze blieb, die weltweit danach aufsperrten: In Europa setzte sich der Abwärtstrend fort. Indizes wie der Euro Stoxx 50, der Londoner FTSE 100, der deutsche DAX oder der Wiener ATX (der die vorangegangene Rally nur zum Teil mitgemacht hatte) lagen rund 2 Prozent in der Verlustzone.

Ein anderer Erklärungsversuch für das Börsendebakel zielt auf die Geldpolitik ab. Am Mittwochabend hatte US-Notenbankchef Ben Bernanke für gehörige Konfusion gesorgt. Seinen Aussagen und jenen seiner Kollegen ließ sich nicht klar entnehmen, ob die Federal Reserve ihre Anleihenkäufe, mit denen die Wirtschaft gestützt wird, in diesem drastischen Ausmaß beibehalten wird.