Auto-Aufzug im VW-Werk in Wolfsburg: die laue Wirtschaftsentwicklung in Europa hemmt die weltweite Konjunktur. - © APAweb / EPA / Sebastian Kahnert
Auto-Aufzug im VW-Werk in Wolfsburg: die laue Wirtschaftsentwicklung in Europa hemmt die weltweite Konjunktur. - © APAweb / EPA / Sebastian Kahnert

Berlin. Diesen Sanierungsvorschlag hören Arbeitnehmer gerne: Höhere Löhne in exportstarken Staaten wie Deutschland könnten, kombiniert mit neuen Hilfen von der Europäischen Zentralbank, die Krise in der Eurozone nach Ansicht der OECD wirkungsvoll bekämpfen.

"Die andauernde Konjunkturschwäche könnte in eine Stagnation münden, was negative Konsequenzen für die Weltwirtschaft hätte", heißt es in dem am Mittwoch veröffentlichten Ausblick der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD).

Sie fordert deshalb ein entschlosseneres Vorgehen. "Mit höheren Löhnen und einer stärkeren Liberalisierung der Produktmärkte in den Überschussländern könnte für einen symmetrischeren und wirkungsvolleren Ausgleichsprozess gesorgt und zugleich das Wachstum gefördert werden", sagte OECD-Chefvolkswirt Pier Carlo Padoan. Deutschland gehört zu den Ländern mit den höchsten Exportüberschüssen.

Auch die Zentralbank müsse mehr tun. "Die EZB hat gut daran getan, ihren Leitzins zu senken und sich zu verpflichten, so lange wie nötig einen konjunkturstimulierenden Kurs zu verfolgen", sagte Padoan. "Allerdings könnte mit zusätzlichen unkonventionellen Maßnahmen noch mehr erreicht werden." In der EZB wird beispielsweise diskutiert, den Banken forderungsbesicherte Wertpapiere abzukaufen oder ihnen Strafgebühren aufzubrummen, wenn sie ihr Geld bei der EZB parken. Beides soll die Kreditvergabe an die Banken in Schwung bringen.

Der Eurozone sagt die Industriestaaten-Organisation ein Rezessionsjahr voraus. 2013 dürfte das Bruttoinlandsprodukt um 0,6 Prozent schrumpfen, 2014 aber wieder um 1,1 Prozent wachsen. Die Organisation ruft die Regierungen zu entschlossenen Maßnahmen im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit auf. "Diese ist in vielen Ländern auf ein Besorgnis erregendes Niveau gestiegen", warnte sie. "Die historisch hohe Arbeitslosigkeit bleibt die größte Herausforderung für die Regierungen." 2014 soll die Arbeitslosenquote in der Währungsunion bei 12,4 Prozent liegen, im Schnitt der 34 OECD-Länder liegt sie dagegen nur bei 8,0 Prozent.

Die Weltwirtschaft kommt wegen der Krise in der Eurozone nicht richtig in Schwung. Die OECD sagt für dieses Jahr ein Wachstum von 3,1 Prozent voraus. "Die globale Konjunktur erholt sich schrittweise, aber der Aufschwung bleibt schwach und holprig", sagte OECD-Generalsekretär Angel Gurria. Für die USA wird ein Wachstum von 1,9 Prozent und für Japan von 1,6 Prozent erwartet. 2014 soll die Weltwirtschaft um 4,0 Prozent wachsen, die USA um 2,8 Prozent, Japan um 1,4 Prozent.