"Zerschlagt die Banken. Zivilisiert die Finanzmärkte", heißt das Buch von Rudolf Hickel, Professor für Finanzwirtschaft und ehemaliger Direktor des Instituts Arbeit und Wirtschaft in Bremen. Hickel war für einen Vortrag des Kreisky-Instituts in Wien.

"Wiener Zeitung":Bertolt Brecht hat die rhetorische Frage gestellt, ‚Was ist ein Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank?‘. Sie sind mit Ihrem Buch wohl auch eher auf Brechts Seite?

Rudolf Hickel: Ich glaube, wenn Brecht die Situation gesehen hätte, welche die Finanzmarktkrise, vor allem die Bankenkrise, weltweit zustande gebracht hat, hätte er auch gewarnt, dass einmal gegründete Banken nicht zu groß werden dürfen. Das Problem war ja "Too big to fail", wenn man die Banken einstürzen lässt, wäre das mit einem Systemrisiko verbunden. Jetzt haben wir zwei Probleme: Erstens werden die Kunden in die Haftung genommen, die für die Geschäfte und die Risiken gar nichts können, und zweitens der Staat, der ebenfalls die Haftung übernimmt. Weltweit gab es ja irrsinnig viele Programme zur Rettung von Banken, in Deutschland gibt es noch immer ein 480-Milliarden-Programm. Jetzt in der Eurokrise sind viele Länder in Folge der Bankenkrise überhaupt erst in ihre prekäre Lage gekommen, beispielsweise Spanien. Die Geschäftsmodelle der Banken müssen so sein, dass es so weit gar nicht mehr kommt.

Dann heißt es, dass man in einer globalisierten Welt aber globale Banken braucht - große Entitäten.

Ich wettere ja nicht dagegen, dass Banken Unternehmen weiter an die Börse bringen. Und auch die internationalen Geschäfte durchführen. Entscheidend ist, und das war der Kern der Krise, dass - vor allem in den USA und Großbritannien - die Banken gar nicht mehr Geschäfte für Kunden gemacht, sondern Eigenhandel betrieben haben. Sie haben eigene Spekulationsinstrumente erfunden und haben damit selber spekuliert. Meine These der Zerschlagung, als ich sie vor einem Jahr in dem Buch publiziert habe, war noch richtig revolutionär, da wurde dagegen polemisiert, aber jetzt haben wir seit ein paar Tagen das sogenannte Abspaltungsgesetz in Deutschland, in dem steht, dass ab einer bestimmten Größe, einer bestimmten Bilanzsumme, die Banken ihren Eigenhandel, wenn sie Eigenhandel machen, nicht mehr im normalen Kundengeschäft abwickeln dürfen. Es geht um den Eigenhandel. Die Alarmwirkung ist da. Aber würde ich das Buch heute schreiben, würde ich die Gefahr der Hedgefonds, der Schattenbanken, stärker in den Vordergrund rücken.