Anstatt daher darüber zu debattieren, ob die EU ein Einwanderungsgebiet sei - denn das sei sie -, sollte sie sich eher Gedanken darüber machen, wie Europa für qualifizierte ausländische Arbeitskräfte attraktiv gemacht werden könne, erklärte EU-Innenkommissarin Cecilia Malmström. Doch hat die Brüsseler Behörde nur wenige Einflussmöglichkeiten, weil die Mitgliedstaaten ihre Arbeitsmärkte selbst regeln wollen.

Jobchancen für Migranten geringer


Die Chancen auf einen Job sind für viele zugewanderte Gruppen im Zielland allerdings geringer als für die "Eingeborenen". Der Bericht hält fest, dass beispielsweise im Lande geborene Nachfahren türkischer Zuwanderer in Belgien eine fünfmal so große Wahrscheinlichkeit haben, arbeitslos zu sein, wie Belgier mit gleichem Alter, Bildung und familiären Status, aber ohne Migrationshintergrund. Für Österreich existiert diese Berechnung für die Nachfahren der beiden größten Migrantengruppen: Türken und Ex-Jugoslawen. Während die weiblichen Nachkommen von Zuwanderern aus dem ehemaligen Jugoslawien trotz hoher Beschäftigung mehr als doppelt so häufig mit Arbeitslosigkeit rechnen müssen, ist der Unterschied für ihre männlichen Altersgenossen und für die Nachkommen von Türken statistisch unbedeutend.

Gleichzeitig fühlen sich in den europäischen OECD-Ländern die (männlichen) Nachfahren von Migranten am stärksten diskriminiert: Rund ein Viertel dieser Personengruppe hält sich selbst für benachteiligt. Unter den Zuwanderern der ersten Generation sind es dagegen nur 15 Prozent. Laut Bericht ist das Ausmaß der Diskriminierung höher als gemeinhin angenommen.

In vielen Ländern müssen Personen, bei denen nur der Name auf einen Zuwanderungshintergrund hinweist, mehr als zweimal so viele Bewerbungen schreiben wie Personen ohne Migrationshintergrund mit sonst identischem Lebenslauf. Deshalb sei es wichtig, Vorurteilen den Kampf anzusagen und eine ausgewogene, faktenbasierte Diskussion über Migrationsthemen zu führen.

Zuwanderung nach Österreich im Steigen


Aus den Zahlen der OECD-Studie geht auch eindeutig hervor: Österreich ist ein Einwanderungsland. Die Zuwanderung nach Österreich ist im Steigen, und zwar so stark wie in wenigen anderen OECD-Ländern. Gut 58.000 Menschen kamen laut OECD 2011 ins Land, das waren um 12.500 mehr als im Jahr davor, also ein Plus von 27 Prozent (siehe Grafik). Einen höheren Anstieg wiesen nur Deutschland und Irland aus. Die Neuzuwanderung nach Österreich lag mit 0,7 Prozent (gemessen an der Gesamtbevölkerung) leicht über dem OECD-Schnitt von 0,6 Prozent. Insgesamt wanderten 2011 gut vier Millionen Menschen dauerhaft in die 34 OECD-Länder ein, das waren zwei Prozent mehr als 2010.

Nach Österreich kamen vor allem Migranten aus Ländern der Europäischen Union, die Freizügigkeit im EU-Wirtschaftsraum ist für zwei Drittel der dauerhaften Zuwanderung verantwortlich. Dann folgen mit Abstand die Familienzusammenführung und schließlich humanitär begründete Migration.