Wien. (wak) Schon Platon wusste, dass großer Reichtum politische Macht mit sich bringt. Damit Demokratien nicht zu Tyranneien werden, wäre eine Umverteilung des Vermögens angebracht. Mit einem Ritt durch die Geschichte begann der renommierte Grazer Professor Heinz Kurz seinen Vortrag über "Wealth Inequality: Theory and Empirical Data" bei einer Veranstaltung der Oesterreichischen Nationalbank. Dass Platons Postulat nichts von seiner Aktualität eingebüßt hat, bewies Kurz mit dem Zitat des als neoliberal geltenden US-Ökonomen Jeffrey Sachs, der vor einem Ausschuss zur Finanzkrise über die Deregulierung der Finanzmärkte gesagt hatte: Die Politiker hätten die Deregulierung geduldet, "um die Finanziers ihrer Kampagnen nicht zu verärgern".

Kurz räumte auch mit dem gängigen Glauben auf, dass der schottische Nationalökonom Adam Smith ("die unsichtbare Hand") der Meinung war, dass sich der Markt selbst reguliert. "Adam Smith drückte in seinen Schriften sehr deutlich aus, dass Reichtum für die ganze Gesellschaft nützlich sein könnte, aber dass es ein legislatives Korsett geben muss." Sonst könnte eine Verteilung des Reichtums nicht garantiert werden. Die Theorie, dass egoistisches Benehmen der Marktteilnehmer zu den bestmöglichen Ergebnissen für alle führt, stamme auch nicht von Smith, sondern von dessen Zeitgenossen Bernard Mandeville, erläuterte Kurz. Smith hätte Mandeville auch aufs Schärfste dafür attackiert. Smith war zwar für Freihandel, aber auch für staatliche Institutionen, die sich allerdings gemeinsam mit dem Privatsektor weiter entwickeln müssen. Heute würde sich Adam Smith übrigens für Eurobonds einsetzen, meinte Kurz mit einem Augenzwinkern. Der Grazer ist Co-Autor des Buches "Adam Smith für jedermann".

Der Ökonom Roland Bénabou habe mit seiner Arbeit bewiesen, dass je größer die Ungleichheit in einem Staat ist, desto weniger seien die Menschen bereit für Maßnahmen zur Umverteilung. Die USA und Europa unterscheiden sich durch ihren Gesellschaftsvertrag. Während in den USA - berüchtigt für die Ungleichverteilung des Reichtums - diesbezüglich das Laissez-faire regiert, herrscht in Europa der Wohlfahrtsstaat. Aber, diese Tatsache sei nicht in Stein gemeißelt. Insbesondere der Wandel bei Technologien habe die Tendenz, den Wohlfahrtsstaat zu unterminieren. Die Theorie: Menschen können mit den neuen Technologien ihren Unterhalt nun einfacher beziehungsweise selbständiger gestalten und sind nicht mehr auf den Staat angewiesen, für sie ihr Leben zu organisieren.

Der Statistiker Arthur Kennickell von der US-amerikanischen Notenbank Fed erklärte in seinem Vortrag, dass es in den vergangenen Jahren in den USA keine merkliche Veränderung bei der Vermögensverteilung gegeben habe - die Finanzkrise hätte vor allem bei den Immobilienpreisen Auswirkungen gehabt. Allerdings hätte es auch im selben Ausmaß Krisengewinnler gegeben. Die meisten krisenbedingten Einbußen mussten die Superreichen hinnehmen - die ein Prozent der Gesellschaft darstellen. Aber, angesichts der Tatsache, dass diesem einen Prozent ein Drittel des Vermögens gehöre, sei das nicht besonders verwunderlich, so Kennickell.