Wien. Das von der OMV gegründete Konsortium Nabucco wird für seine geplante Pipeline kein Gas vom internationalen Konsortium Shah-Deniz erhalten, das auf riesigen Gasvorkommen im Kaspischen Meer sitzt. Der einzig verbliebene Konkurrent Transadriatische Pipeline (TAP) dürfte zum Zug kommen, auch wenn dafür noch keine Bestätigung vorliegt. Die OMV hat lediglich bekanntgegeben, nicht ausgewählt worden zu sein.

Schon jahrelang arbeitete der börsenotierte österreichische Mineralölkonzern OMV federführend mit Partnern am Pipeline-Projekt Nabucco, um an das Gas aus dem kaspischen Raum zu kommen. Allerdings erlitt das Vorhaben immer wieder Rückschläge: Der Zeitplan wurde immer weiter nach hinten verschoben.

Ursprünglich war geplant, dass die Gasleitung Nabucco bis an die türkisch-georgische Grenze gebaut wird, im Vorjahr brachte die OMV allerdings auf Wunsch des Shah-Deniz-Konsortiums die kürzere Version ins Spiel, die das Gas von der türkisch-bulgarischen Grenze nach Österreich transportieren sollte. Außerdem wurde bekannt, dass der staatliche aserbaidschanische Konzern Socar gemeinsam mit den Türken eine eigene Gas-Pipeline quer durch die Türkei, die Transanatolische Pipeline (Tanap), bauen will. An diese Pipeline wollten mehrere Pipeline-Projekte andocken, ins Finale schafften es im Vorjahr die Nabucco West und die TAP, die nun offenbar als Sieger hervorgeht.

Änderungen beim Konsortium

Bei der Zusammensetzung des Nabucco-Konsortiums gab es zuletzt Änderungen, um die Attraktivität des Projekts zu pushen, denn heuer im April verließ der deutsche Energiekonzern RWE, der erst im Februar 2008 dem Vorhaben beigetreten war, das Projekt. Er verkaufte seinen 17-Prozent-Anteil an die OMV. Ende Mai präsentierte die OMV dann einen neuen Partner: Der französische Energiekonzern GDF Suez kaufte einen 9-Prozent-Anteil von der OMV, der Einstieg sollte im zweiten Halbjahr 2013 unter Dach und Fach gebracht werden. Probleme hatte es im Vorjahr auch mit dem ungarischen MOL-Gruppe gegeben, die ebenfalls an einen Ausstieg dachte.

Außerdem sind an der Nabucco-Gesellschaft die türkische Botas, die Bulgarian Energy Holding (BEH) und die rumänische Transgaz derzeit beteiligt. Die Shah-Deniz-Konsorten Socar, BP und Total haben sich zu Jahresanfang die Option auf eine 50-Prozent-Beteiligung an der Nabucco gesichert. Sie sind aber auch beim Konkurrenzprojekt TAP engagiert.

2011 soll es aus Aserbaidschan Gaslieferzusagen im Umfang von bis zu 21 Milliarden Kubikmeter Gas jährlich für Europa gegeben haben. Soviel Gas hätte die ursprüngliche geplante Nabucco-Leitung gebraucht um wirtschaftlich zu sein. Zuletzt sollten nur mehr 10 Milliarden Gas aus dem Shah-Deniz-2-Feld für Europa vorgesehen sein, weitere 6 Milliarden Kubikmeter Gas hat sich die Türkei gesichert. Diese insgesamt 16 Milliarden Kubikmeter Gas sollen aus der Entwicklung der zweiten Stufe des Gasfeldes Shah-Deniz ab 2017/18 jährlich kommen.

OMV besitzt eigene Felder

Die OMV hat aber neben dem Gas aus dem kaspischen Meer auch eigene Felder im Schwarzen Meer im Talon. Deren Ergiebigkeit muss aber noch geprüft werden. Die OMV hatte im Februar 2012 einen Gasfund von 42 bis 84 Milliarden Kubikmetern im Schwarzen Meer gemeldet. Außerdem hat sich der börsenotierte Mineralölkonzern dort weitere Lizenzen für die Gassuche gesichert. OMV-Chef Roiss setzte daher "auf europäisches Gas für Europa".