München/Toulouse. (vee/apa) "Was wir bekanntgeben, ist eine Evolution, keine Revolution", sagte EADS-CEO Thomas Enders am Mittwoch. Es sei der nächste logische Schritt in der 13-jährigen Konzerngeschichte. Europas größter Luft- und Raumfahrtkonzern wird neun Monate nach dem Scheitern der Fusion mit dem britischen Rüstungsgiganten BAE Systems nun kräftig umgebaut. Betroffen davon ist vor allem die zuletzt schwächelnde Rüstungssparte. Dass man den Traum des Global Players bei Rüstung aufgegeben hat, wird auch nach außen sichtbar: aus EADS wird "Airbus Group" und der Konzern damit nach seiner erfolgreichen und rasant wachsenden Luftfahrttochter benannt.

Künftig soll die neue Airbus Group aus drei Divisionen bestehen: der Zivilflugzeugtochter Airbus, Airbus Defence & Space sowie der in Airbus Helicopters umbenannten Sparte Eurocopter.

Im neuen Geschäftsbereich Airbus Defence & Space wird die jetzige Verteidigungssparte Cassidian, die Raumfahrt-Division Astrium und den Militärtransportflugzeug-Hersteller Airbus Military gebündelt - mit Sitz in München. Dadurch wird einer Forderung Deutschlands, neben Frankreich und Spanien einer der Aktionäre, nachgekommen. Die rund 45.000 Mitarbeiter dieser Sparte sollen künftig einen Jahresumsatz von 14 Milliarden Euro erzielen. Mit der Zusammenlegung dürfte wohl aber auch Personal eingespart werden. Genauer wollte sich der Konzern am Mittwoch dazu jedoch nicht äußern.

Der zivile Teil des Flugzeugbauers Airbus, der fast zwei Drittel zum Umsatz des Konzerns beisteuert, wird weiterhin im südfranzösischen Toulouse bleiben. Die Umsetzung der Vorhaben soll zur Jahreswende beginnen.

Der Konzern ähnelt damit künftig verstärkt dem US-amerikanischen Erzrivalen Boeing. Dieser hat ebenfalls das Rüstungs- und Raumfahrtgeschäft in einem Bereich zusammengefasst (Boeing Defense, Space and Security). Daneben ist der zivile Flugzeugbau das wichtigste Geschäft.

Laut EADS, das 140.000 Mitarbeiter beschäftigt, ist die neue Konzernstruktur eine Reaktion auf das veränderte Marktumfeld. Dieses sei von stagnierenden oder sogar schrumpfenden Verteidigungsbudgets in der westlichen Welt geprägt. "Wir streben nicht mehr nach einer Balance zwischen Airbus und dem Militärgeschäft", sagte Enders. Der Rüstungsbereich soll daher "konsolidiert" werden.