Öffentliche Rüstungsetats schrumpfen


Und auch wenn der Konzern am Mittwoch überraschend gute Zahlen für das zweite Quartal verkünden konnte - der Auftragseingang lag im ersten Halbjahr mit 96,6 Milliarden Euro 242 Prozent höher als im Vorjahreszeitraum - setzt Enders mit der Entscheidung, die Verteidigungsaktivitäten zu "reorganisieren und fokussieren", wohl auf das richtige Pferd. Laut dem Friedensforschungsinstitut Sipri sanken im Jahr 2012 erstmals seit 1998 die weltweiten Militärausgaben - um 0,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Gerade für die europäische Rüstungsindustrie ist es unter den aktuellen Bedingungen schwierig, zu reüssieren. Am EU-Heimmarkt gingen die Rüstungsausgaben zwischen 2001 und 2010 von 25 auf 19 Milliarden Euro zurück. Ein anderer wichtiger Kunde, die US-Regierung und gleichzeitig der Weltführer bei Rüstungsausgaben, will innerhalb der nächsten zehn Jahre 500 Milliarden Euro in dem Bereich einsparen.

Geschäfte am russischen und chinesischen Markt, die bis 2015 ein Drittel der gesamten Rüstungsausgaben auf sich vereinen sollen, bleiben westlichen Herstellern zumeist verwehrt. Die dortigen Regierungen kaufen weitgehend bei nationalen Rüstungsunternehmen ein. In anderen Wachstumsregionen wie dem Mittleren Osten, Brasilien und Indien wird der Wettbewerb um Marktanteile mit harten politischen Bandagen geführt.

Europas Rüstungsindustrie im Hintertreffen


Die EU will zudem innerhalb ihrer Mitgliedsstaaten weitere Einsparungen vorantreiben. Vorige Woche erklärte Kommissions-Chef Jose Manuel Barroso, die europäischen Rüstungsmärkte seien "unglaublich fragmentiert". Es gebe viele Überschneidungen und doppelte Arbeiten. In der Folge erziele Europa mit mehr Ausgaben als die USA weniger Resultate. Die Kommission will zwar selbst keine Rüstungsgüter beschaffen, aber durch gemeinsame Beschaffungsverfahren Kosten für die EU-Länder senken. Zudem komme man "um ’pooling and sharing‘ (gemeinsame Nutzung militärischer Ausrüstung, Anm.) nicht herum, weil alle Haushalte wegen der Finanzkrise unter Druck stehen", sagte Barroso.

Diese Einsparungen sind aber ein zweischneidiges Schwert. Die Rüstungsbranche ist in der EU auch ein Wirtschaftsfaktor. Im Jahr 2012 beschäftigte dieser Sektor laut EU-Kommission bei einem Umsatz von 96 Milliarden Euro 400.000 Personen und verschaffte weiteren 960.000 Personen indirekt Arbeit. In der Top-100-Liste der größten Rüstungskonzerne von Sipri (ohne China) sind zwar die USA führend - 44 der Top-100 sind in den USA angesiedelt. An zweiter Stelle aber folgt bereits Westeuropa mit 30 Firmen.Die Europäische Kommission schlug daher gleichzeitig einen Aktionsplan vor, um der Rüstungsindustrie zu mehr Effizienz und Wettbewerbsfähigkeit zu verhelfen. Dieser sieht unter anderem gemeinsame "Hybridnormen" vor und die Schaffung eines europäischen Zertifizierungssystems für die militärische Flugtauglichkeit.

Nicht zuletzt weisen Experten darauf hin, dass eine sinkende Bedeutung der europäischen Rüstungsindustrie gleichzeitig sicherheitspolitisch für die EU bedenklich sei.