London/New York. (vee/reuters) Seit einem halben Jahr wird verhandelt, nun ist der Milliardendeal fixiert: Die beiden Mobilfunkkonzerne, die britische Vodafone und die amerikanische Verizon, haben sich darauf geeinigt, dass der 45-prozentige Anteil an der gemeinsamen US-Tochter Verizon Wireless von Vodafone an Verizon geht. Verizon gab die drittgrößte Transaktion der Industriegeschichte am frühen Montagabend bekannt. Der 100 Milliarden Euro schwere Deal ist damit die drittgrößte Transaktion der Wirtschaftsgeschichte.

Bereits Sonntagabend hatte Vodafone bestätigt, in fortgeschrittenen Verhandlungen mit Verizon zu sein. Beide Seiten gaben sich darüber hinaus aber betont zurückhaltend. Immerhin sucht Verizon bereits seit Jahren nach Wegen, um die 1999 gestartete Liaison mit den Briten zu lösen und die vollständige Kontrolle über das hochprofitable Geschäft zu erlangen. Vodafone forderte zunehmend mehr Mitsprache in dem Gemeinschaftsunternehmen und Zugriff auf die vollen Kassen. Dies hatte Verizon aber stets abgelehnt hat und dadurch einen Dauerstreit befeuert.

Vodafone hatte seinen Partner beispielsweise erst jahrelang beknien müssen, bevor eine Dividende für das sehr profitable Mobilfunkgeschäft ausgeschüttet wurde. Nach der Einigung fiel diese aber durchaus üppig aus: Alleine im vergangenen Geschäftsjahr trafen 3,3 Milliarden Dollar aus den USA in London ein. Die US-Beteiligung war damit einer der wichtigsten Gewinn- und Dividendentreiber von Vodafone.

Insidern zufolge will Verizon den Kauf zur Hälfte über Kredite und Anleihen finanzieren. Die andere Hälfte wolle der Konzern mit eigenen Aktien zahlen. Einige Geschäftsteile in Europa - darunter der 23-prozentige Anteil von Verizon an Vodafone Italia - sowie in Schwellenländern wie etwa der Türkei oder Indien würden an Vodafone gehen. Ein weiterer Vorteil für die Briten: Dadurch könnte ihre Steuerlast um fünf Milliarden Dollar sinken.

Luxusproblem: Was tun mit 100 Milliarden Euro?


Damit stehen die wichtigsten Vodafone-Investoren nun vor einem Luxusproblem: Wie sollen die Milliardeneinnahmen aus dem Deal genutzt werden? Prinzipiell stehen die Optionen Einkaufstour, Schuldensenkung oder Aktienrückkauf zur Auswahl. Der Abschied aus den USA ergebe nur Sinn, wenn letztlich danach etwas Sinnvolles gemacht werde, sagt der Fondsmanager von einem der zehn größten Vodafone-Aktionäre.

"Das Worst-Case-Szenario wäre, wenn Vodafone das Geld nehmen und alles an die Aktionäre zurückgeben würde. Übrig bliebe dann ein merkwürdiges Unternehmen, das nicht vorankommt."

Tatsächlich kündigte Vodafone an, von den erlösten 130 Milliarden Dollar 85 Milliarden an die Aktionäre auszuschütten. Weitere Milliarden sollen in Schuldenabbau und Investitionen fließen.

Der US-Ausstieg verändert Vodafones Konturen deutlich - immerhin trennt man sich von einem der wertvollsten Konzernteile. Es entsteht ein kleinerer Konzern, der weniger gewinnträchtig ist, dafür abhängiger von seinem Kerngeschäft in Europa. Und in Europa ist man wegen der starken Konkurrenz, etwa durch die Deutsche Telekom, einem erheblichen Preisdruck ausgesetzt.

Trotzdem schnellten an der Londoner Börse die Vodafone-Aktien in der Spitze um vier Prozent nach oben auf den höchsten Stand seit gut zwölf Jahren. Seit Bekanntwerden der Verkaufspläne Mitte vergangener Woche haben die Papiere damit 14 Prozent zugelegt. Die Verizon-Titel verloren in New York ein Prozent

In den vergangenen 20 Jahren war Vodafone auf Einkaufstour und hatte sich Standbeine in rund 30 Ländern auf verschiedenen Kontinenten aufgebaut. Gleichzeitig löste sich das Unternehmen vermehrt von Sparten, die es nicht vollständig kontrolliert. So etwa wurde der Anteil am zweitgrößten französischen Mobilfunker SFR verkauft. Konzernchef Vittorio Colao hat zudem die alleinige Konzentration auf das Mobilfunkgeschäft ad acta gelegt und mischt seit eineinhalb Jahren zunehmend in der Festnetzsparte mit. Untermauert wurde die neue Ausrichtung etwa mit dem Kauf des britischen Telefon- und Internetanbieters Cable & Wireless Worldwide im Vorjahr. Aktuell strebt man die Übernahme von Kabel Deutschland an - für kolportierte elf Milliarden Euro. Daneben baut Vodafone-Chef Vittorio Colao derzeit zusammen mit Orange in Spanien für eine Milliarde Euro ein Glasfasernetz.

Investoren zufolge muss Vodafone seine Dienstleistungspalette schnell erweitern, um gegenüber Rivalen, die Fernsehen, Telefon, Internet und Mobilfunk aus einer Hand anbieten, nicht ins Hintertreffen zu geraten. Die sich abzeichnende Verschlankung hat bereits zu Spekulationen geführt, Vodafone könne nun selbst zum Übernahmeziel werden.