"Wiener Zeitung": (vee) Wie ist die Wirtschaftslage in Australien?

Guido Stock: Nun, der Rohstoffhype flacht zwar ab und im Zuge dessen vor allem der Investitionsboom im wichtigen Bergbausektor. Der Export an Rohstoffen steigt aber noch immer weiter. Das bedeutet, es geht Australien auch weiter gut. Vielleicht wird das Land nicht mehr mit rund 3 Prozent wachsen, sondern mit 2,5 - aber das ist für eine hochentwickelte Volkswirtschaft ein sehr gutes Ergebnis.

Also keine Wolken am Wirtschaftshorizont?

Die Arbeitslosigkeit wird wohl über die nächste Zeit auf 6,5 Prozent anwachsen. Australien ist ganz gering verschuldet - die Nettoverschuldung liegt bei 12 Prozent -, aber es gibt nun ein Budgetdefizit, was für Australien eine kleine Katastrophe ist. Insofern ist der Himmel nicht ganz wolkenlos. Das Abflachen bei den Investitionen im Rohstoffbereich wird man irgendwo ausgleichen müssen und es gibt Bedenken, wie gut das gelingen wird. Mit der Zinssenkung auf 2,5 Prozent hat man viel Stimulus gegeben, um die Bauwirtschaft anzukurbeln, die über die letzten Jahre geschwächelt hat.

Wie gestalten sich die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Österreich und Australien?

Sie sind ausgezeichnet, Österreich exportiert nach Australien deutlich mehr als etwa nach Indien und verzeichnen auch jedes Jahr schöne Steigerungsraten. 2012 stieg der Wert der Exporte um 11,4 Prozent und übertraf mit 756 Millionen den vor der Finanzkrise erreichten Rekordwert von 750 Millionen Euro.

In welchen Bereichen reüssieren österreichische Firmen vor allem?

Hauptsächlich im Bereich Maschinen, Anlagen und Fahrzeuge. Dieser Sektor macht über 50 Prozent unseres Exports aus. Bei den Fahrzeugen zuletzt auch viel im militärischen Bereich. Österreichs Ausfuhren sind grundsätzlich aber überraschend breit aufgestellt: Die Standardpistole der australischen Polizei ist die Glock, Standardgewehr der australischen Armee ist das Steyr Sturmgewehr. Fast auf allen größeren Flughäfen sind Rosenbauer Feuerwehrfahrzeuge im Einsatz, die Ausrüstung für Flugsicherung auf praktisch allen zivilen und militärischen Flughäfen kommt von Frequentis, bei Wasserkraft setzt man auf Andritz. Bei Mautsystemen ist Kapsch sehr stark, Red Bull liefert über 120 Millionen Dosen pro Jahr. Swarovski betreibt über vierzig Geschäfte.

Welches Image hat Österreich bei den Australiern?

Österreich genießt hier das Image eines zentraleuropäischen, deutschsprachigen Landes - und das ist ein sehr gutes. Deutschland, die Schweiz und Österreich werden in einen Topf geworfen. Durch die hohe Kaufkraft reisen Australier gerne ins für sie billige Europa und lernen auf Donaukreuzfahrten und Citytrips Österreich auch persönlich kennen. Während der letzten Monate ist freilich der australische Dollar schwächer geworden aufgrund der Zinssenkungen der Zentralbank.

Wirkt sich das Sinken des Kurses bereits auf die Exporte aus?

Bisher merken wir noch nichts. Der Kurs ist zwar gesunken, aber er liegt nach wie vor im Vergleich mit der Zeit von vor fünf Jahren noch gut 20 Prozent höher.

Zur Person

Guido Stock,

geboren 1958, ist seit 2008 österreichischer Wirtschaftsdelegierter in Australien.