Sorgt für Neugier: das Armbanduhr-Handy von Samsung. - © reuters
Sorgt für Neugier: das Armbanduhr-Handy von Samsung. - © reuters

Frankfurt. "Ich glaube, dass dieses Gerät weltweit zu einer Fashion-Ikone wird", tönte Samsung-Mobilfunkchef JK Shin am Mittwoch in Berlin vor mehr als 1000 geladenen Gästen bei der Vorstellung des Galaxy Gear. Ein "Science-Fiction-Gerät" nannte Samsung-Manager Pranav Mistry den Chronographen mit Handy und SMS-Funktion: "Gear bringt das gesamte digitale Leben aufs Handgelenk." Doch die Möglichkeiten des mit viel Tamtam angekündigten Handys am Armband sind eher bescheiden.

Der Lautsprecher ist so leise, dass ein Gespräch nur in leiser Umgebung möglich ist. Immerhin auf Knopfdruck zeigt die Armbanduhr auch die Uhrzeit an. Daneben dient sie als Fotoapparat mit mageren 1,9 Megapixeln Auflösung und lässt sich bei einer nicht gerade berauschenden Kapazität von 512 Megabyte auf dem Arbeitsspeicher und vier Gigabyte auf dem nicht erweiterbaren Massenspeicher mit Apps befüllen. Sonst dient das Instrument am Handgelenk nur als Signalgeber und Durchgangsstation: Es meldet, wenn eine Nachricht eingeht oder ein Termin ansteht. Tippt man Kalender, SMS oder Mail an, öffnet sich die Nachricht gesondert auf dem Smartphone.

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Hersteller: "Begleitgerät"


Erschwerend kommt hinzu, dass das potemkinsche Hightech-Wunder vorerst nur im Zusammenspiel mit den neuen Samsung-Smartphones Galaxy Note 3 und Galaxy Note 10.1 funktioniert, die ebenfalls auf der Internationalen Funkausstellung in Berlin vorgestellt wurden. Die Hersteller aus Seoul sprechen selbst von einem "Companion Device", einem Begleitgerät also. Wann die angekündigte Software für weitere Galaxy-Geräte zur Verfügung steht, darüber schweigt des Südkoreaners Höflichkeit. Der Preis für das smarte Handy am Arm wird laut inoffiziellen Angaben bei 230 Dollar liegen - ein teurer Spaß, um ein paar Zusatzgags aus dem Ärmel zu schütteln.

Gerüchteweise ist zu hören, dass Apple seine IT-Armbanduhr vermutlich unter dem Namen "iWatch" am kommenden Dienstag vorstellen will. Wenn Samsung dem großen Rivalen aus den USA nun zuvorkommen wollte, dann nicht nur, weil die Südkoreaner das Image des ewigen Zweiten im Wettkampf mit Apple ablegen wollen. Es geht auch um ein Riesengeschäft. Die Marktforscher der Firma International Data Corporation schätzen das Umsatzpotenzial für die intelligenten Armbänder weltweit auf 23 Milliarden Euro.

Bisher verkaufte neben einigen Jungunternehmen der japanische Elektronikriese Sony internetfähige Smartwatches. Der Erfolg blieb jedoch aus. Der Einstieg von Samsung und vermutlich auch Apple könnte nach Ansicht von Branchenkennern jedoch einen neuen Boom entfachen, zumal die Zeiten rasanter Zuwachsraten bei herkömmlichen Smartphones allmählich vorbei sind.

Machtwechsel im Blick


Laut den Marktforschern der US-Firma Gartner liegt der Marktanteil von Samsung bei Smartphones bei mehr als 30 Prozent, bei Apple dagegen nur bei rund 14 Prozent. Das schlägt sich auch in den Geschäftszahlen nieder. Im zweiten Quartal hat Samsung erstmals mehr Gewinn gemacht als die US-Amerikaner, die früher mit weitem Abstand führten. Ein Plus von 50 Prozent im Vergleich zum zweiten Quartal 2012 ergab für die Südkoreaner einen Rekordgewinn von umgerechnet knapp 5,3 Milliarden Euro und damit einen hauchdünnen Vorsprung vor dem wichtigsten Konkurrenten. Beim Börsenwert liegt der US-Konzern allerdings noch klar vor den koreanischen Konkurrenten. Während die Apple-Aktien zusammen umgerechnet 354 Milliarden Euro wert sind, kommt Samsung nur auf 122 Milliarden.