Wien. (kle) Es war vor gut zwei Jahren. Im Kampf gegen den dramatischen Höhenflug des Franken legte die Schweizerische Nationalbank (SNB) damals ein Euro-Mindestniveau von 1,20 Franken fest. Diese Schwelle hat die Notenbank bisher mit Erfolg verteidigt - teils mit massiven Interventionen am Devisenmarkt. Am Dienstag kostete ein Euro 1,2399 Franken.

Für die SNB bleibt die Wechselkurspolitik auch in Zukunft das wichtigste Thema. Die Obergrenze für den Franken im Verhältnis zum Euro habe weiterhin oberste Priorität, lauten jüngste Aussagen von Spitzenvertretern der Notenbank, so etwa von ihrem Vizepräsidenten Jean-Pierre Danthine.

Rund um den Globus betrachten viele Investoren den Schweizer Franken als sicheren Hafen. Vor allem nach Ausbruch der Finanzkrise und dem Hochkochen der Euro-Staatsschuldenkrise war das so. Deshalb wertete der Franken zum Euro kräftig auf. Noch im August 2011, kurz vor Festlegung des Mindestwechselkurses, war bereits die Parität zum Greifen nahe. Womit der stark exportorientierten Schweizer Wirtschaft auf längere Sicht schlimme Folgen beim Absatz ihrer in Europa immer teurer werdenden Waren drohten.

Ohne den Mindestwechselkurs hätte auch die Gefahr bestanden, dass die Schweiz durch die immer billiger werdenden Importe aus dem Euroraum in eine Deflationsspirale geraten wäre, in einen Abwärtsstrudel aus fallenden Preisen und immer weiter sinkendem Wirtschaftswachstum.

Problemfall Franken-Kredite

Mit der Entscheidung, ein Abrutschen des Euro unter die Marke von 1,20 Franken nicht mehr zuzulassen, hat die Schweizer Notenbank seit Herbst 2011 für Entspannung gesorgt. Doch auf unbegrenzte Zeit wird sie diesen Mindestkurs nicht verteidigen. Darin sind sich die meisten Währungsexperten einig.

SNB-Vize Danthine machte erst unlängst deutlich, dass man die Franken-Deckelung aufheben werde, sobald die Notenbank den derzeit bei null liegenden Leitzins erhöhe. Dann könne es eine solche Wechselkursmarke nicht mehr geben.

Damit bliebe die weitere Wechselkursentwicklung also wieder den Marktkräften überlassen. Im Fall eines aufwertenden Franken hätte dies für österreichische Kreditnehmer, die sich um die Jahrtausendwende in Franken verschuldet haben, einen noch höheren Schuldenberg zur Folge.

Zwar haben viele Österreicher ihre Fremdwährungskredite, die vor allem wegen des Währungsrisikos als hochspekulativ gelten, mittlerweile in Euro-Kredite konvertiert. Aber auch wenn das Volumen hier seit Herbst 2008 um 17 Milliarden Euro oder 37 Prozent zurückgegangen ist, lag es per Ende Juni immer noch bei fast 29 Milliarden Euro. Ein hohes Risiko für die Banken, heißt es bei Experten. Viele Fremdwährungskredite - 94,5 Prozent davon sind Franken-Kredite - werden bereits in den nächsten Jahren fällig.