Mit Chinas Wirtschaft geht es wieder bergauf, aber an einigen Baustellen muss noch gearbeitet werden. - © epa
Mit Chinas Wirtschaft geht es wieder bergauf, aber an einigen Baustellen muss noch gearbeitet werden. - © epa

Peking/Dalian. Ein grauer Himmel, eine graue See und ergraute Männer in grauen Anzügen: Die dominierende Farbe in der nordostchinesischen Hafenstadt Dalian will irgendwie nicht wirklich zur guten Stimmung passen, die beim World Economic Forum (WEF) dieser Tage verbreitet wird. Direkt am Hafen findet seit 2007 das Treffen der "New Champions" der Weltwirtschaft statt; die Konferenz wird auch "Sommer-Davos" genannt und wechselt den Standort alternierend mit der Finanzmetropole Tianjin in der Nähe von Peking. 1600 Teilnehmer aus Politik und Wirtschaft nehmen bis Freitag an der dreitägigen Tagung teil, und es scheint, als kämen auf jeden Teilnehmer mindestens vier Sicherheitsbeamte, die das futuristische Konferenzzentrum des Wiener Architektur-Büros Coop Himmelb(l)au großräumig abriegeln.

In diesem Jahr steht das Thema "Innovation" im Mittelpunkt der Gespräche, dafür liefert Dalian das passende Ambiente: Im Hafengebiet ist in den vergangenen zwei Jahren ein neues Stadtviertel mit Hotels, Wohntürmen und Wolkenkratzern entstanden, wobei die glitzernde Fassade offensichtlich an Shanghai erinnern soll. Vor allem aber soll sie Zweifel an Chinas Wirtschaftslage demonstrativ ausräumen, ganz so, wie es auch Ministerpräsident Li Keqiang in seiner Ansprache getan hat. Das Interesse der 300 Medienvertreter war groß, immerhin gab es in den vergangenen Monaten Besorgnis über das chinesische Wirtschaftswachstum und die zukünftige Reformentwicklung.

Doch der seit März amtierende Premier zeigte sich guter Dinge und betonte, China werde besonnen auf die Verlangsamung des Wirtschaftswachstums reagieren. Zudem werde das Land seine Reformpolitik weiter verfolgen und die Struktur der Wirtschaft verbessern: "Die Entwicklung Chinas ist auf Reform und Öffnung angewiesen, und die Wirtschaft kann nur mittels Umstrukturierung eine nachhaltige Entwicklung erzielen", so Li.

Allerdings räumte der Premier ein, dass die wirtschaftliche Erholung Chinas noch auf wackeligen Beinen stünde: "China ist jetzt in einer kritischen Phase, sodass Wachstum ohne strukturelle Transformation und Verbesserungen nicht aufrechterhalten werden kann." Angesichts dieser Entwicklung sei es normal, dass sich das Wachstum verlangsame, erklärte er mit Blick auf die zweistelligen Raten vergangener Jahre. Gleichzeitig versuchte er zu beruhigen und sprach von einem "neuen Abschnitt des chinesischen Wirtschaftswunders - mit besserer Qualität und höherer Effizienz".