Zürich/Wien. Die 100 reichsten Männer, Frauen, Unternehmer, oder Erben - unerschöpflich ist die Kreativität mancher Medien, wenn es um die Erstellung von Listen zum Thema Reichtum geht. Finanzhäuser stehen dieser Kreativität in nichts nach. Mehrere von ihnen verfassen "Wealth Reports", welche das weltweite Privatvermögen abdecken. Und auf den ersten Blick wirken die nun von Credit Suisse vorgelegten Zahlen beeindruckend: Auf 241 Billionen Dollar (177,5 Billionen Euro) hat sich demnach das weltweit verfügbare Vermögen in den vergangenen 13 Jahren verdoppelt. Bis 2018 rechnen die Analysten mit einem weiteren Wachstum von 40 Prozent - bedingt vor allem durch die Schwellenländer.

Herausragend schneiden die USA in der Credit-Suisse-Studie ab, die auf Statistiken der Zentralbanken, finanziellen Aktiva wie etwa Aktien und materiellen Gütern, beispielsweise Immobilien, abzüglich von Schulden beruht. Um 8,4 Billionen Dollar stiegen die Vermögen im vergangenen Jahr, ein Erwachsener verfügt im Schnitt über 301.000 Dollar.

Der amerikanische Höhenflug stützt sich jedoch auf zwei höchst instabile Faktoren: den rasanten Anstieg der Aktienkurse und die ebenfalls wieder in die Höhe schnellenden Häuserpreise. So lag der amerikanische Dow-Jones-Index der 30 größten US-Unternehmen vor Ausbruch der Finanzkrise bei über 14.000 Punkten. Der Absturz auf rund 6500 Punkte bis Ende 2008 ist mittlerweile wettgemacht, der Index rangiert derzeit bei knapp 14.800 Punkten - einem Allzeithoch. Getrieben wird die Rallye an den Finanzmärkten von der Niedrigzinspolitik der amerikanischen Notenbank und der Europäischen Zentralbank. Den Währungshütern ist jedes Mittel recht, die lahme Konjunktur wieder in Schwung zu bringen; auch um den Preis, dass mit billigen Krediten die Häuserpreise aufs Neue steigen, sich eine Blase auf den Immobilienmärkten bildet. Erste Anzeichen dafür gibt es bereits, im Bundesstaat Arizona sind die Häuserpreise seit 2012 um bis zu 30 Prozent gestiegen.

Vermögensverteilung und Konsummöglichkeit unklar

Gleich zweierlei sagen die Studienergebnisse aber nicht aus: nichts über die Aufteilung des Vermögens - so gibt es mehr als elf Millionen Dollar-Millionäre in den USA - und nichts über die Konsummöglichkeiten. Denn Gesundheitsvorsorge, Ausbildungskosten und Altersvorsorge werden in den USA überwiegend privat übernommen, hohe Rücklagen sind hierfür notwendig. In Europa ist zwar das Netto-Vermögen der Bürger geringer, dafür müssen sie aber auch weniger davon für Sozialleistungen ausgeben.

Während die Vereinigten Staaten laut Credit Suisse großer Gewinner bei den Vermögenswerten sind, verloren die Japaner ein Fünftel ihres Vermögens, das nunmehr 22,6 Billionen Dollar beträgt. Mit der radikalen Abwertung des japanischen Yen gegenüber dem Dollar um ganze 22 Prozent schrumpften die Vermögen enorm. China hingegen setzt seinen rasanten Aufwärtstrend fort: das Vermögen pro Erwachsenen hat sich seit 2000 vervierfacht und liegt mittlerweile bei 22.300 Dollar.

Für die Länder der Eurozone wird ein Durchschnittsvermögen von 154.900 Euro ausgewiesen. Österreich, Deutschland und die Niederlande, jene Unions-Staaten mit der geringsten Arbeitslosigkeit, liegen jeweils nur knapp über bzw. unter dem Durchschnitt; für Österreich gibt Credit Suisse 156.844 Euro an. Wie im Vermögensbericht der deutschen Zentralbank sind die Bürger in den Krisenländern Frankreich (fast 213.000 Euro) und Italien (knapp 183.000 Euro) deutlich vermögender. Des Rätsels Lösung: Eigenheime werden in die Statistik aufgenommen. Da nur 48 Prozent der Österreicher ihre Wohnung oder ihr Haus besitzen, gelten sie im Durchschnitt als ärmer.