Aus EZB-Kreisen wird aber bemängelt, dass die EZB eben nicht genug Macht hatte, um die Probleme, die die Finanzkrise mit sich gebracht hat, zu bewältigen.

Das ist unrichtig. Die EZB hatte während des Aufloderns der Finanzkrise 14 der 17 Bankenaufsichtsbehörden in der Eurozone bereits unter ihrer Kuratel. Meine Diagnose ist eine andere: Die EZB ist die wiederauferstandene Reichsbank, mit absoluter Unabhängigkeit, wie sie die Reichsbank hatte. Und die hat nicht gerade eine strahlende Erfolgsbilanz: Deflation, Hyperinflation und dann hat sie auch noch Adolf Hitler den Weg geebnet.

Und wie sehen Sie die Bankenunion, die nun umgesetzt wird? Ist eine Kontrolle der Banken auf europäischer Ebene nicht vernünftig?

Das Ziel der Bankenunion ist es, den kleinen Banken das Leben so schwer wie möglich zu machen und sie regelrecht auszurotten. Damit schafft die Europäische Zentralbank aber noch mehr Probleme. Gerade die Too-big-to-fail-Bankmonstren werden gefördert. Die Big Boys in Brüssel und Frankfurt reden eben lieber mit der Deutschen Bank, als sich mit dem Sparkassenverband zu beschäftigen.

Zu viel Geld, so Ihre Kritik, wird im Casino der internationalen Finanzmärkte verzockt, anstatt in der Realwirtschaft produktiv eingesetzt zu werden.

Sprechen wir doch einmal die Probleme Europas an: Die Jugendarbeitslosigkeit beträgt in einigen Ländern 55 Prozent, in den Krisenländern haben wir noch immer Rekord-Arbeitslosigkeit. All die Bankenrettungspakete haben das Problem bis dato nicht gelöst. Wenn Banken Geld schöpfen, das sie dann für Finanztransaktionen verwenden, dann hat das überhaupt keinen positiven Effekt für die Volkswirtschaft. Es wurde weder die Wettbewerbsfähigkeit einer Volkswirtschaft verbessert, noch die Produktivität. Wenn eine Bank aber einen Kredit an ein Unternehmen vergibt, das damit einen neuen Maschinenpark anschafft oder Geld in die Prozessoptimierung steckt, dann erhöht sich die Produktivität und die Wettbewerbsfähigkeit. Diese Bank hat mit diesem Kredit zu einem steigenden Wachstum und Wohlstand beigetragen.

Sie gelten als einer der Väter der quantitativen Lockerung, einer Geldpolitik, die sich nun großer Beliebtheit erfreut. Was ist das eigentlich, quantitative Lockerung?

Nach meiner ursprünglichen Definition war damit eine Expansion der Kreditschöpfung für BIP-Transaktionen, also für wachstumsrelevante Transaktionen gemeint. Was gemacht wurde, hat eben nicht dazu geführt. Wenn aber mit Quantitative Easing - also quantitativer Lockerung - nur die Bankbilanzen in Ordnung gebracht werden, so wie das jetzt gemacht wird, ist niemandem geholfen, dann kommt auch nicht mehr Geld in den Wirtschaftskreislauf.