Frankfurt/Wien. Nach der gescheiterten Übernahme des niederländischen Telekom-Konzerns KPN nimmt der umtriebige Milliardär Carlos Slim Österreich ins Visier. Dort hat der 73-jährige Mexikaner bereits einen Fuß bei der Telekom Austria in der Tür. Analysten rechnen nun damit, dass Slim dort mit seinem Konzern America Movil langfristig die Mehrheit übernimmt. Die Telekom Austria ist neben dem Heimatmarkt in vielen Ländern Osteuropas vertreten - und benötigt hier finanzielle Unterstützung. "Kapital hat er ja, das kann er jetzt bei der Telekom Austria einsetzen", sagte ein Branchenkenner am Donnerstag. Die Börse reagierte sofort: Aktien des Unternehmens schossen in Wien zeitweise um sechs Prozent nach oben.

Anders als in den Niederlanden wurde Slim in Österreich mit offenen Armen empfangen. Die Staatsholding ÖIAG, die den 28,4-prozentigen Anteil Österreichs an der Telekom verwaltet, hatte ihn bei seinem Einstieg vergangenes Jahr als "ausgezeichneten, langfristig orientierten strategischen Partner" begrüßt. Doch ganz ohne Stolpersteine dürfte auch eine Mehrheitsübernahme der Telekom Austria nicht ablaufen: Denn Österreich besitzt ein Veto-Recht, wenn ein außereuropäischer Aktionär mehr als 25 Prozent an einem Unternehmen aus der Telekom-, Energie- oder Verteidigungsbranche erwerben will.

Slim hielt zuletzt über America Movil 22,76 Prozent der Telekom-Austria-Aktien - und weitere 3,14 Prozent über seine Familiengesellschaft. Diese Anteile wurden jedoch nicht zusammengerechnet. Ab 30 Prozent müsste Slim den anderen Aktionären ein Pflichtangebot unterbreiten.

Niederlande wiesen Slim ab

Slim musste am Mittwoch eine schmerzhafte Niederlage in den Niederlanden einstecken. Wegen des heftigen Widerstands zog er seine gut sieben Milliarden Euro schwere Offerte zurück. KPN erklärte, America Movil habe keine Bereitschaft gezeigt, das unverbindliche Angebot von 2,40 Euro je Aktie noch zu verbessern. Der Preis werde dem Wert des Unternehmens nicht gerecht.

Ende August hatten die Niederländer schon ihr schwerstes Geschütz aufgefahren, um den Multi-Milliardär auszubremsen - eine Stiftung, die über das Wohl des größten Telefon- und Handy-Anbieters des Landes wacht. Slim drohte aufgrund des Störfeuers damals damit, den Deal abzublasen. Er hat bereits vier Milliarden Euro in die Firma gesteckt und hält knapp 30 Prozent der Anteile. Nach Berechnungen der Analystin Robin Bienenstock von der Bank Bernstein hat Slim mit dem Übernahmeversuch 900 Millionen Euro in den Sand gesetzt. Slim führte 2013 die "Forbes"-Liste der Superreichen mit einem Vermögen von satten 73 Milliarden Dollar an.

Die Kartellbehörden und ihre Genehmigungen
Ein Desaster ist der Rückzug für die leidgeprüften KPN-Aktionäre: An der Amsterdamer Börse brachen die Papiere am Donnerstag um bis zehn Prozent auf 2,18 Euro ein. Zu seinem Einstieg vor einem Jahr hatte Slim noch acht Euro je Titel auf den Tisch gelegt. Die Papiere sind auch unter die Räder gekommen, weil KPN auf dem Heimatmarkt massiv unter Druck steht. Die einzige nennenswerte Auslandsbeteiligung - E-Plus in Deutschland - soll an den spanischen Konkurrenten Telefonica verkauft werden. Hier steht allerdings noch die Genehmigung der Kartellbehörden aus.

Ganz abgefahren ist der Zug für den Mexikaner in den Niederlanden allerdings noch nicht. Die Offerte von Slim sei zwar zu niedrig gewesen, sagte KPN-Chef Eelco Blok. "Ich werde nicht verraten, welchen Preis wir gefordert haben, da es eine Chance gibt, dass wir noch mal an einem Tisch sitzen werden."