Berlin. (is/ag) Eigentlich läuft das Geschäft für EADS ja ausgezeichnet. Im ersten Halbjahr 2013 machte der europäische Luftfahrt- und Rüstungskonzern einen Nettogewinn von 759 Millionen Euro, das ist ein Plus von 31 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Der Umsatz stieg von Jänner bis Juli um sechs Prozent auf 26,3 Milliarden Euro. Trotz Produktionspannen beim A380 sind die Auftragsbücher der EADS-Tochter Airbus gut gefüllt - rund 1000 Flugzeuge wurden heuer bereits bestellt, 600 werden ausgeliefert. Erst kürzlich zog das Unternehmen einen Großauftrag aus Japan an Land: Japan Airlines bestellte 31 Langstreckenjets des Typs A350 im Wert von knapp sieben Milliarden Euro. Auch bei der US-Fluglinie Linie Delta und dem britischen Billigflieger Easyjet hatte der Konzern das US-Konkurrenzunternehmen Boeing jüngst ausgestochen.

Dennoch will EADS den Rotstift ansetzen. Dem Unternehmen stünden harte Einschnitte bevor, kündigte Konzernchef Thomas Enders in der "Süddeutschen Zeitung" vom Montag an. Betroffen ist vor allem die Rüstungssparte mit dem Kunstnamen Cassidian. Man werde um weitere Reduzierungen bei Kosten und Personal bei der neuen Rüstungs-Division nicht herumkommen, sagte Enders. Ob auch die Schließung von Standorten in Deutschland geplant sind, wollte er nicht sagen. Dies hänge von der Auftragslage in Deutschland ab. "Im Dezember werden wir dazu Konkretes sagen können. Aber so viel steht schon fest: Ohne harte Maßnahmen wird es nicht gehen."

Für die Einsparungen in der Rüstungssparte - die 2014 im Zuge einer Umstrukturierung mit der Raumfahrt-Sparte zusammengelegt werden soll und die derzeit 14 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaftet - macht Enders indirekt auch die Regierung in Deutschland mitverantwortlich. Dort seien dem Unternehmen in den vergangenen Jahren "erkleckliche Auftragsvolumina" verloren gegangen, klagt der Topmanager. "Hier handelt es sich um Milliardenbeträge".

"Ertragsfähigkeit steigern"

Der Konzernchef spielt dabei unter anderem auf die vor einem Jahr beschlossene Kündigung des Liefervertrages für die US-Drohnen EuroHawk, für die EADS das Aufklärungssystem ISIS beisteuern sollte. CDU-Verteidigungsminister Thomas De Maziere stornierte den Lieferauftrag damals wegen der Kostenexplosion, die sich aufgrund von Zulassungsproblemen abzeichnete. Probleme gab es auch bei Aufträgen für A400M-Militärtransportflugzeuge, Hubschrauber und Eurofighter - weil EADS wegen Verzögerungen in der Produktion nicht rechtzeitig liefern konnte.

Mit den angekündigten Einschnitten will der EADS-Vorsitzende, wie er sagt, die "Ertragsfähigkeit des Konzerns nachhaltig steigern". "Und wir müssen wettbewerbsfähiger werden, vor allem auf den europäischen Märkten." So sei die Rüstungssparte Cassidian zwar am Umsatz gemessen die profitabelste im börsenotierten Unternehmen, das 143.000 Mitarbeiter beschäftigt. "Aber da ist noch erheblich Luft nach oben."

Von einer künftigen Bundesregierung in Berlin fordert der 54-Jährige mehr Rückendeckung: "Wir brauchen Unterstützung aus Berlin, keinen Gegenwind. Damit kritisiert er indirekt die Verhinderung der geplanten Fusion von EADS mit dem englischen Rüstungskonzern BAE Systems vor einem Jahr durch die bisherige Regierung. Enders hatte sich, nicht zuletzt um international wettbewerbsfähiger zu sein, vehement für den Zusammenschluss ausgesprochen. Die Konkurrenz für EADS sei hart und komme zunehmend aus den USA und aus Asien.