Wien. (sf) Beim Streit mit dem Vermieter suchen sich viele Österreicher Hilfe: Jeder fünfte der jährlich 430.000 Österreicher, die eine Konsumentenberatung des Vereins für Konsumenteninformation (VKI) oder der Arbeiterkammer (AK) aufsuchen, brauchte Unterstützung rund um das Thema Wohnen. Oft geht es um falsche Betriebskostenabrechnungen oder eine nicht nachvollziehbare Berechnung des Mietzinses. "Ein ungelöstes Problem ist, wer für den Austausch der Therme zahlen muss", sagte Gabriele Zgubic, Leiterin Konsumentenpolitik der AK Wien, bei der Präsentation des aktuellen Berichts zur Lage der KonsumentInnen.

Aufgrund von Vertragsklauseln suchten rund 15 Prozent der Konsumenten Rat: Ihnen machten überlange Bindungsfristen und unzulässige Kündigungsverzichte in Verträgen mit Fitnessstudios oder Partnervermittlungsagenturen zu schaffen.

Wegen Problemen beim Einkaufen, etwa mit mangelhafter Ware oder Lieferverzögerungen, meldeten sich 12 Prozent der Verbraucher. Beim Streit mit dem Telekomanbieter suchten 10 Prozent der Konsumenten Hilfe, weil sie intransparente Tarife und Zusatzkosten wie die Servicepauschale oder das Aktivierungsentgelt ärgerten.

Ebenfalls zehn Prozent hatten Probleme mit Finanzdienstleistern. "Die Konsumenten sind den zunehmend komplexen Angeboten der Finanzdienstleister nicht gewachsen. Es gibt immer noch schwarze Schafe", sagt Kubitschek. Ärger gibt es beispielsweise mit verkauften Schifffahrtsfonds, bei denen viele Anleger ihre gesamtes Investment verloren haben. Vielen Anlegern war nicht bewusst, dass sie Anteile gekauft hatten und damit Gesellschafter von geschlossenen Kommanditgesellschaften wurden.

Verbraucher scheuen wegen Kosten Gang vors Gericht

"Viele Verbraucher wissen nicht über ihre Rechte bei Gewährleistung Bescheid und fühlen sich überfordert", sagt VKI-Geschäftsführer Josef Kubitschek. Der Gewährleistungsanspruch bestehe gegenüber dem Händler und nicht gegenüber dem Hersteller, sagt Zgubic. "Berechtigte Ansprüche werden sehr schnell abgewiesen", kritisiert die AK-Expertin. Bei kaputten Handys hieße es beispielsweise oft, dass ein Wasserschaden die Ursache sei. Viele Konsumenten verzichten bei kleineren Summen auf den Gang vor das Gericht, weil ein Gerichtsverfahren zur Rechtsdurchsetzung schnell einige tausend Euro kosten kann und das Kostenrisiko oft in keinem Verhältnis zum Streitwert steht.

Um gleichartige Ansprüche mehrerer Personen gegen dasselbe Unternehmen geltend zu machen, fordern die Konsumentenschützer von der künftigen Regierung, Gruppenklagen einzuführen. Das würde den Zugang zu Recht verbessern und die Gerichte entlasten. Außerdem wird eine Reform des Mietrechts gefordert. "Mietzinsüberprüfungen bei privaten Mietwohnungen können derzeit nur in einem Schlichtungsverfahren gemacht werden. Dieser Zustand ist nicht tragbar", kritisiert Zgubic und fordert Obergrenzen für Mieten.

Die Konsumentenberatungen werden vor allem von über 35-Jährigen frequentiert. Die Konsumentenschützer wollen nun Jugendliche besser informieren, denn in diesem Alter habe man erstmals mit Handytarifen oder Kfz-Versicherungen zu tun. "Jugendliche sind unbekümmerter, vor allem was die Angabe von persönlichen Daten im Internet angeht", sagt Zgubic. Mit kurzen Videos zu Themen wie Kostenvoranschlag, Gewährleistung und Lieferverzug möchte die AK nun junge Menschen informieren.