Frankfurt. (apa/red) Mit dem nun prognostizierten Minus des Bruttoinlandsproduktes (BIP) von 0,4 Prozent für die Eurozone hat die OECD ihren am Dienstag präsentierten halbjährlichen Wirtschaftsausblick für den Währungsraum für 2013 leicht angehoben. Allerdings hat sie die Aussichten für 2014 gesenkt. Die Wirtschaft soll dann nur um 1,0 Prozent wachsen - um 0,1 Prozentpunkte weniger als vor einem halben Jahr erwartet.

Für die Jahre danach soll das Wachstum der Eurozone jedoch wieder an Fahrt gewinnen. Das BIP 2015 soll um 1,6 Prozent wachsen, heißt es im Wirtschaftsausblick der Industriestaatengruppe. "Das Tempo dieser Konjunkturerholung wird jedoch verhalten bleiben", betonen die OECD-Ökonomen. Es gebe nach wie vor große Abwärtsrisiken, deshalb müsse die Europäische Zentralbank (EZB) notfalls nachlegen, um die Wirtschaft erneut anzukurbeln. "Falls die Erholung ins Stocken gerät oder ernste Deflationsrisiken aufkommen, sollte die EZB die Einführung zusätzlicher Nichtstandardmaßnahmen erwägen." Die Währungshüter rund um EZB-Chef Mario Draghi hatten bei der Zinssenkung auf 0,25 Prozent vor kurzem bereits mit Deflationsrisiken argumentiert.

"Rasche Fortschritte in Bankenunion wichtig"

Wichtig für die Lösung der Finanzkrise in der Eurozone sind, so die OECD, rasche Fortschritte bei der Bankenunion. "Von den Schwachstellen im Bankensystem geht nach wie vor ein erheblicher Bremseffekt auf das Wachstum in der Eurozone aus", so OECD-Chefvolkswirt Pier Carlo Padoan. Die 17 Euro-Länder sollen zudem Strukturreformen fortsetzen, um Wachstum und Beschäftigung anzukurbeln.

Den Krisenländern der Eurozone stellt die OECD bei der Umsetzung von Strukturreformen ein gutes Zeugnis aus. Die Reformgeschwindigkeit in Griechenland, Irland, Portugal, Spanien und Italien laufe schneller als in anderen Volkswirtschaften. Grund sind der Druck seitens der Finanzmärkte und die finanziellen Hilfsprogramme der Eurozone, die mit Reformvorgaben verknüpft sind.

In Griechenland schrumpft das BIP heuer allerdings noch massiv um 3,5 Prozent. Auch im kommenden Jahr wird noch ein Minus von 0,4 Prozent gesehen. 2015 aber soll es im Krisenstaat auch wieder ein Wachstum von 1,8 Prozent geben. Einbrüche gibt es heuer weiters in Italien (minus 1,9 Prozent), Portugal (minus 1,7 Prozent) und Spanien (minus 1,3 Prozent).

Deutschland bleibt weiterhin der Wachstumsmotor der Eurozone - dort prognostiziert die OECD für heuer ein BIP-Wachstum von 0,5 Prozent, 2014 von 1,7 Prozent und 2015 von 2,0 Prozent.

Bei den Wachstumsaussichten in Übersee, vor allem in den USA und Kanada, dürfte manch Ökonom in der Eurozone große Augen machen - trotz Senkung der dortigen Prognose: In den USA zieht das Wachstum kräftig an, von heuer 1,7 Prozent auf 2,9 Prozent im kommenden Jahr bis hin zu 3,4 Prozent 2015. Davon kann auch die Eurozone profitieren - die USA sind der zweitwichtigste Exportmarkt.

Als einen Grund für die moderate Erholung der Weltwirtschaft nannte die OECD die starken Finanzmärkte infolge einer extrem expansiven Geldpolitik der weltweit führenden Notenbanken. Sie lobte ausdrücklich die Geldschwemme der Zentralbanken und plädierte dafür, die Geldpolitik vorerst weiter expansiv zu behalten, besonders in der Eurozone.