Kiew. (vee) Ganz geheuer ist Ukrainern erneuerbare Energie noch nicht. "Wir haben eine Liste der populärsten Mythen rund um unsere Solarparks erstellt", erzählt ein Mitarbeiter von Activ Solar, dem Betreiber der größten Solarparks und Marktführer in dem Segment in der Ukraine. "Zu diesen gehören, dass Solarpaneele Impotenz verursachen oder sie radioaktive Strahlung abgeben." Geht es nach der ukrainischen Regierung, werden sich die Menschen aber schnell an die in ukrainischen Dörfern, in denen auch Pferdekutschen noch zum Alltagsbild gehören, utopisch anmutenden Parks gewöhnen müssen. Laut Energiestrategie des Landes ist der Ausbau erneuerbarer Energien eines der Mittel, um die unliebsame Abhängigkeit von russischen Gasimporten massiv zu reduzieren.

Der Großteil des Primärenergieverbrauchs wird in der Ukraine durch Erdgas (36 Prozent) und Kohle (26 Prozent) gedeckt, danach folgen Erdöl (18 Prozent) und Kernenergie (17 Prozent). Wasserkraft und andere alternative Energieträger decken gerade einmal drei Prozent ab.

Ausbau nimmt Fahrt auf


Nach Startschwierigkeiten hat der Ausbau nun Fahrt aufgenommen. Mit Wind- und Solarkraft lässt sich in der Ukraine seit 2009 Geld verdienen. In dem Jahr hat das Land eine Einspeisevergütung für grünen Strom eingeführt. Diese ist durchaus üppig: Jetzt installierte Solaranlagen etwa erhalten 34 Cent je Kilowattstunde. Bis vor Kurzem waren es noch 46 Cent, die aber weiter bis 2029 garantiert sind. Zum Vergleich: In Österreich liegt der Tarif zwischen 16 und 20 Cent je Kilowattstunde, bei einem Marktpreis von gut fünf Cent.Das führt dazu, dass der Solarsektor stark wächst. Die Kapazität von Solarkraftwerken, die vor allem im Süden des Landes und der Halbinsel Krim liegen, ist in der Ukraine laut einem Bericht der Europäisch-Ukrainischen Energieagentur im ersten Halbjahr 2013 insgesamt um das Eineinhalbfache angestiegen. Jänner bis Juni 2013 erreichte die Kapazität der installierten Anlagen 494 Megawatt, das ist ein Plus von 51,4 Prozent.

Investitionen in die Solarindustrie überstiegen im ersten Halbjahr 360 Millionen Euro. Zwölf weitere Solarkraftwerke mit einer Kapazität von 167,7 Megawatt wurden im selben Zeitraum bereits in Auftrag gegeben, bis Jahresende sollen sieben davon fertiggestellt werden. Der Marktführer Activ Solar, der 2008 in Wien gegründet wurde, investierte bisher 1,2 Milliarden Euro in elf ukrainische Solaranlagen.