China schielt nach Osteuropa: Ungarn, Rumänien und Bulgarien als Tor in die EU (Ungarns Premier Viktor Orban wird vom Chinesen Li Keqiang und dem Rumänen Victor Ponta begrüßt). - © reuters/R. Sigheti
China schielt nach Osteuropa: Ungarn, Rumänien und Bulgarien als Tor in die EU (Ungarns Premier Viktor Orban wird vom Chinesen Li Keqiang und dem Rumänen Victor Ponta begrüßt). - © reuters/R. Sigheti

Peking/Bukarest. Schon wieder ein Rekord: 83 Millionen Chinesen reisten 2012 ins Ausland, in diesem Jahr sollen es schon 94 Millionen sein. Damit haben sie die Deutschen als bisherige Reiseweltmeister verdrängt, und im Gegensatz zu Letzteren geben sie auf ihren Reisen deutlich mehr Geld aus. Auch der chinesische Premierminister Li Keqiang ist dieser Tage wieder unterwegs, und seine Reisekasse ist ebenfalls prall gefüllt: Am Montag traf er zu einem dreitägigen Besuch in der rumänischen Hauptstadt Bukarest ein, wo am Dienstag das dritte Gipfeltreffen zwischen China und Osteuropa stattfand. In einem Gastbeitrag in der rumänischen Tageszeitung "Adevarul" schrieb Li zuletzt, China würde für die Länder Ost-Mitteleuropas einen Kreditrahmen von 10 Milliarden US-Dollar zur Verfügung stellen, um dort den Ausbau der Infrastruktur zu fördern. Im Gegenzug erhoffe sich China angesichts des steigenden Bedarfs durch die wachsende Urbanisierung verstärkte Lebensmittelimporte aus Osteuropa.

Unerwähnt ließ der chinesische Premier eine lange Wunschliste mit milliardenschweren Projekten, die auf dem Gipfel von 16 Regierungschefs aus Mittel- und Osteuropa sowie 1000 Vertretern aus der Wirtschaft abgesegnet werden soll. Nichts schrieb er über den politischen und wirtschaftlichen Einfluss, den sich Peking mit der jüngsten Charmeoffensive nun auch in Osteuropa sichern will. Denn lange Zeit sah es so aus, als ob der chinesische Drache keinen Appetit auf die Region hätte - noch 2010 zählte China in keinem einzigen osteuropäischen Land zu den zwanzig größten ausländischen Investoren. Offensichtlich galten westeuropäische Firmen mit ihren etablierten Marken und dem technischen Know-how als attraktiver. Doch mit den auf dem Dritten Plenum der Kommunistischen Partei beschlossenen Wirtschaftsreformen scheint sich das Blatt nun zu wenden. Neue Auslandsinvestitionen werden als Schlüssel zu mehr Wachstum gesehen, und somit kommen nun auch jene Länder zum Zug, die bisher in der zweiten Reihe standen.

China als lachender Dritter im Streit EU-Russland?


Das Interesse Chinas scheint zwar vordergründig wirtschaftlicher Natur zu sein, politisch gesehen ist der Zeitpunkt des Gipfels jedoch heikel: Aus den aktuellen Spannungen zwischen der Europäischen Union und Russland, die durch eine mögliche EU-Annäherung der früheren Sowjetrepubliken Ukraine, Moldawien oder Georgien befeuert werden, kann China durchaus Vorteile schlagen - als Alternative zur EU beziehungsweise der vom russischen Präsidenten Wladimir Putin vorangetriebenen Zollunion. EU-Handelskommissar Karel de Gucht betrachtete die chinesischen Vorstöße in Europa zuletzt mit Stirnrunzeln und sagte beim EU-China-Gipfel vergangene Woche, China spiele die europäischen Staaten gegeneinander aus: "Wir haben die Pflicht, unsere Interessen zu verteidigen."