Toulouse. (ag/vee) 120 Führungskräfte hatte das EADS-Management am Montag zusammengetrommelt. Bange blickten die Mitarbeiter auf diesen Termin. Denn: CEO Tom Enders gab Details zum Stellenabbau wegen der geplanten Zusammenlegung der drei EADS-Sparten Airbus Military, Astrium und Cassidian bekannt. Insgesamt 5800 Stellen wird der Luftfahrt- und Rüstungskonzern in den kommenden drei Jahren streichen. Das Unternehmen macht europaweit mehrere Standorte dicht.

Hintergrund ist vor allem das schwache Rüstungsgeschäft. Vor einer Dekade noch standen die vier EADS-Heimatländer Deutschland, Frankreich, Spanien und Großbritannien für noch fast die Hälfte des Auftragseingangs. Im Vorjahr waren es hingegen nur mehr sieben Prozent. Große, neue Verteidigungsprojekte sind aktuell nicht in Sicht - im Gegenteil: Die meisten Länder sind unter Spardruck und nehmen Kürzungen ihrer Verteidigungsetats vor.

Neue Kunden lassen sich zudem schwer generieren. Fast überall unterliegen Produkte des EADS-Konzerns im Preiswettbewerb. Sogar Enders gab nüchtern zu, dass EADS heute in der Sparte nicht kompetitiv sei. Verteidigungsexperten in Frankreich berichten laut "Frankfurter Allgemeine Zeitung", dass EADS-Preise häufig um 30 oder gar 40 Prozent über den jeweiligen Konkurrenzangeboten liegen. Mit Folgen: Die Türkei etwa entschied sich für ein Luftverteidigungssystem aus China, der Eurofighter unterlag dem schwedischen Gripen in der Schweiz. Der Kampfjet scheiterte zudem in Indien, Brasilien und Südkorea. Neuere Geschäftsfelder wie Grenzsicherung oder Cyber-Sicherheit sind noch zu klein, um Ausfälle in der klassischen Rüstungsindustrie zu ersetzen.

Umstrukturierung läuft


Enders verteidigte seinen Kurs. "Wir müssen unsere Wettbewerbsfähigkeit im Verteidigungs- und Raumfahrtgeschäft steigern - und wir müssen jetzt damit beginnen", sagte der Manager, der die Rendite seines Hauses bis 2015 auf zehn Prozent steigern will. Gewerkschaften in Deutschland und Frankreich hatten angekündigt, gegen den Stellenabbau Sturm zu laufen. Die Zusammenlegung der drei Sparten ist Teil eines größeren Konzernumbaus bei EADS. Begleitet wird dieser von einer Umbenennung: Ab nächstem Jahr wird der Konzern mit Sitz im südfranzösischen Toulouse nach seiner - gewinnträchtigen - Flugzeugsparte Airbus benannt. Diese steht bisher für fast 80 Prozent des gesamten EADS-Umsatzes.

Der EADS-Konzern

Der Luft- und Raumfahrtskonzern vereint mehrere Marken. Die Tochter Airbus ist der weltgrößte Hersteller von Passagierflugzeugen und bietet 14 Modelle an. Mehr als 6000 Airbus-Flugzeuge sind weltweit unterwegs. Die EADS-Tochter stellt auch Militärflugzeuge her, darunter den Transporter A400M. Airbus kam 2012 auf einen Umsatz von 37 Milliarden Euro. Hinter Astrium verbirgt sich das europäische Raumfahrtgeschäft von EADS. Bekanntestes Produkt sind die Ariane-Raketen, mit denen Satelliten ins Weltall transportiert werden. Astrium kam 2012 auf einen Umsatz von knapp sechs Milliarden Euro. Die Rüstungssparte Cassidian produziert etwa den Kampfjet Eurofighter und das Aufklärungssystem Awacs. Das Rüstungssegment kämpft mit mauen Zukunftsaussichten. Dieser Geschäftsbereich machte 2012 rund 5,8 Milliarden Euro Umsatz. Der Hersteller von Zivil- und Militärhubschraubern Eurocopter kommt auf einen globalen Marktanteil von rund 30 Prozent. Die Sparte erlöste 2012 rund 6,3 Milliarden Euro.