Wien. (sf) Zum ersten Mal seit Jahren werden 2014 die Immobilienpreise in Österreich sinken, erwartet das Maklernetzwerk Remax. "Die Nachfrage ist merklich gedämpft. Signifikante Preissteigerungen gibt es nur bei Wohnungen in zentraler Lage", sagt Anton Nenning, Managing Director von Remax Austria. In Österreich werden die Preise durchschnittlich um ein Prozent sinken, weil viele Anleger bereits Immobilien gekauft haben und bei den gestiegenen Kaufpreisen geringere Renditen übrig bleiben. Im Vorjahr sank die Zahl der Immobilien-Transaktionen um 15 Prozent auf 80.000, das entspricht dem Niveau von 2009.

Während im oberen Preissegment die Nachfrage und auch die Preise sinken, sind erschwingliche Wohnungen stark nachgefragt - und werden teurer. "Günstige Wohnungen sind oft nur wenige Stunden in den Online-Plattformen. Wer danach sucht, sollte schnell sein und laufend die Angebote beobachten", sagt Michael Pisecky, Obmann der Fachgruppe Wien der Immobilientreuhänder der Wirtschaftskammer.

In Wien werden Immobilien allerdings um 1,8 Prozent teurer, so die Prognose von 470 befragten Remax-Maklern. Die Preise von Eigentumswohnungen in zentralen Lagen in der Bundeshauptstadt werden um 4,4 Prozent anziehen, günstig gelegene Mietwohnungen mit freier Mietzinsbildung werden um 4,7 Prozent teurer. Am Stadtrand sinken hingegen die Preise, ebenso bei Büro- und Gewerbeimmobilien. "Die Preisschere zwischen guten und günstigen Lagen sowie zwischen Stadt und Land geht weiter auf", sagt Nenning.

"Mietwohnung wird von der Zwischen- zur Dauerlösung"

Laut dem Immobilienportal FindMyHome haben die Eigentumspreise in Wien auch 2013 zweistellig zugelegt. In den Bezirken 1 bis 9 sowie 13 und 19 werden die Preise weiter steigen, in den anderen Bezirken werden sich die Preise stabilisieren, erwartet Remax. Im ersten Bezirk koste der Quadratmeter aktuell bis zu 34.000 Euro, unter 10.000 Euro sei nichts zu bekommen.

Die Mieten in Wien sind in den vergangenen zwölf Monaten im Durchschnitt um 2,1 Prozent günstiger geworden und lagen im Dezember 2013 bei durchschnittlich 14,24 Euro pro Quadratmeter. Vor einem Jahr waren es 14,55 Euro, teilt FindMyHome mit. Als Grund für die Entspannung werden unter anderem neue Stadtviertel wie die Seestadt Aspern oder das Viertel um den neuen Hauptbahnhof angegeben. Die Fachgruppe Wien der Immobilientreuhänder der Wirtschaftskammer beobachtet seit dem Frühjahr 2013 ebenfalls in Wien eine "Abflachung des Mietniveaus" und erwartet für 2014 stabile Preise. Höhere Gebühren für Wasser, Kanal und Müllabfuhr seit 1. Jänner 2014 lassen die Bruttomieten jedoch steigen.

Das Einfamilienhaus bleibt die Wunschimmobilie vieler Österreicher - für einige Familien platzt aufgrund strengerer Kreditvergabe der Banken aber der Traum vom eigenen Haus. "Die Mietwohnung wird für viele von der Zwischen- zur Dauerlösung", sagt Bernhard Reikersdorfer, Geschäftsführer von Remax Austria. Die Preise für Einfamilienhäuser werden laut Prognose leicht zurückgehen, weil sich der Wert am verfügbaren Einkommen der Käufer, an deren Zukunftserwartungen, der Arbeitsplatzsicherheit und Kreditverfügbarkeit orientiert. "Da ist offensichtlich für viele eine Grenze erreicht", so Nennung. Wer eine Wohnung in der Stadt möchte, sich diese aber nicht leisten kann, kann am Stadtrand erheblich günstiger kaufen und mieten, raten Makler. Wer aufs Land ziehen kann und möchte, findet dort am ehesten günstigen Wohnraum. Mieter von Büros, Kanzleien, Ladenlokalen und Betriebsflächen haben aufgrund des Angebotsüberhangs gute Chancen, in Verhandlungen mit dem Vermieter ihre Kosten zu senken.