Phnom Penh. Die Fabriken in Kambodschas Textilindustrie stehen still: Laut der Gewerkschaft wurde am Montag in 80 Prozent der Produktionsstätten nicht gearbeitet, entweder wegen Streiks oder Aussperrungen durch die Fabrikbesitzer. 600.000 hauptsächlich weibliche Angestellte sind in der Textilindustrie - einem wichtigen Devisenbringer für das Land - beschäftigt, die Arbeiter fordern einen höheren Mindestlohn.

Allerdings gab es am Montag - im Gegensatz zu den vorangegangenen Tagen - keine Straßenproteste der Näherinnen und Näher. Der Regierung von Premier Hun Sen ist es offenbar gelungen, die Textilarbeiter vorerst einzuschüchtern. Die Militärpolizei hatte am Freitag auf Demonstranten scharf geschossen, fünf Protestteilnehmer wurden laut Menschenrechtsgruppen getötet. Am Wochenende wurden dann die Protestlager der Textilarbeiter brutal geräumt, wobei die Einsatzkräfte mit Tränengas und Knüppeln gegen die Demonstranten vorgingen.

Die Gewerkschaften fordern eine Verdoppelung des Mindestlohns von derzeit umgerechnet 57 Euro pro Monat. Die Regierung hat eine Erhöhung auf 70 Euro zugesagt, doch das ist den Textilarbeitern zu wenig. Denn in den vergangenen Jahren sind aufgrund der Inflation die Reallöhne um 30 Prozent gesunken. Die Gewerkschaften haben sich zuletzt mit der politischen Opposition verbündet - auch das ist ein Grund für das harte Vorgehen der Regierung.