Die Inflation sinkt - allerdings werden Lebensmittel nach wie vor spürbar teurer. - © nito - Fotolia.com
Die Inflation sinkt - allerdings werden Lebensmittel nach wie vor spürbar teurer. - © nito - Fotolia.com

Brüssel. Die Verbraucherpreise stiegen im Dezember im Jahresvergleich nur um 0,8 Prozent, wie das Statistikamt Eurostat am Dienstag mitteilte. Ob das noch Preisstabilität oder schon Deflation ist, ist eine offene Frage. Die Inflation liegt jedenfalls weit unter dem Ziel der Europäischen Zentralbank (EZB), die nur bei Werten von knapp unter zwei Prozent von stabilen Preisen spricht. Ökonomen halten es für möglich, dass die EZB ihre Geldpolitik nun erneut lockern wird.

"Die EZB kann sich angesichts der Deflationsrisiken nicht zurücklehnen", sagte ING-Experte Peter Vanden Houte. Erst im Oktober war die Inflationsrate auf 0,7 Prozent und damit den niedrigsten Wert seit fast vier Jahren gesunken. Das löste Befürchtungen vor einem Preisverfall auf breiter Front aus, zumal die Unternehmen in Euro-Krisenstaaten wie Griechenland angesichts von Rezession und hoher Arbeitslosigkeit auch künftig kaum höhere Preise durchsetzen dürften.

Die EZB reagierte umgehend und senkte ihren Leitzins auf das Rekordtief von 0,25 Prozent, um mit billigem Geld die Gefahr japanischer Verhältnisse erst gar nicht aufkommen zu lassen. Japan hat mehr als ein Jahrzehnt lang gegen die Folgen der Deflation gekämpft. In Erwartung sinkender Preise hielten sich Verbraucher und Firmen mit Käufen zurück, was die Konjunktur schwer belastete.

Ökonomen gehen davon aus, dass die Teuerungsrate in der Eurozone auch in den kommenden Monaten niedrig bleiben wird. "Insgesamt sind im Euroraum weit und breit keine inflationären Tendenzen zu erkennen", sagte Postbank-Experte Heinrich Bayer. "Wir gehen davon aus, dass sich hieran auch im laufenden Jahr nichts Wesentliches ändern wird." Für 2014 rechnet die EZB mit einem Preisanstieg von 1,1 Prozent, 2015 von 1,3 Prozent.

Überdurchschnittlich verteuerten sich im Dezember Lebensmittel, Alkohol und Tabak mit 1,8 Prozent, gefolgt von Dienstleistungen mit 1,0 Prozent. Dagegen stagnierten die Energiepreise, während sich Industriegüter um 0,2 Prozent verteuerten.

Strafzins für Banken

"Wir erwarten, dass die Notenbank weitere Maßnahmen ergreifen wird, um die Kreditvergabe anzukurbeln", sagte Commerzbank-Ökonom Christoph Weil. Die Banken der Eurozone hatten ihre Darlehen an Unternehmen zuletzt so kräftig zurückgefahren wie noch nie, was Investitionen und damit die Konjunkturerholung gefährdet. In der EZB wird deshalb darüber diskutiert, den Banken einen Strafzins aufzubrummen, wenn sie Geld von der EZB horten anstatt es als Kredite an Unternehmen weiterzureichen.