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London. (reuters/rs) Wohin bloß nur mit dem vielen Geld? Diese Frage stellen sich zu Beginn des neuen Jahres nicht nur die Akteure an den Finanzmärkten. Auch Unternehmen sitzen auf vollen Kassen und rätseln, wie sie die mühsam erwirtschafteten und sorgsam zusammengesparten Mittel am sinnvollsten verwenden. In den vergangenen Jahren war wegen der Finanz- und Euro-Krise noch Vorsicht geboten. Mit überschüssigen Geldern wurden vor allem Schulden abgebaut und die Aktionäre bei Laune gehalten. Doch das könne keine Dauerlösung sein, mahnen inzwischen Investoren unter dem Eindruck der Konjunkturerholung. Ihre Forderung lautet: Firmen müssten ihrer eigentlichen Bestimmung folgen und ins Geschäft investieren.

"Wenn die Wirtschaft wieder besser läuft, sollten viele Unternehmen ihr Geld gewinnbringender einsetzen", sagt etwa Anlagestratege Nick Williams von der Vermögensverwaltung Baring. Gefragt seien nun Übernahmen sowie neue Ausrüstung und Personal, ergänzt David Rosenberg, Chefvolkswirt der Investmentgesellschaft Gluskin Sheff. Ohne derartige Ausgaben gebe es keinen tragfähigen Aufschwung.

2013 waren die Aktivitäten am globalen Mergers&Acquisitions-Markt laut den Daten des Prüfungs- und Beratungsunternehmens EY das dritte Jahr in Folge zurückgegangen und lagen damit sogar unter dem Niveau der "Dotcom"-Ära. Die Zahl der Firmenübernahmen sank im Vergleich zum Vorjahr um 6,2 Prozent auf 37.257. Auch das Transaktionsvolumen nahm trotz einiger großer Deals wie der Verizon-Vodafone-Übernahme um 6,3 Prozent ab. Starke Rückgänge mussten dabei vor allem die ins Trudeln geratenen Brics-Staaten Brasilien (minus 27,5 Prozent), Russland (minus 23,8 Prozent) und Indien (minus 9,2 Prozent) verzeichnen. Lediglich China brachte es in der Gruppe der großen Schwellenländer auf ein leichtes Plus. Rückgänge im Bereich von 17 Prozent gab es auch in Deutschland und Großbritannien, in Österreich lag das Minus bei 8 Prozent. Nur in den USA blieb das Niveau ungefähr konstant.

Verwöhnte Aktionäre

Statt unternehmerische Wagnisse einzugehen, hatten viele Branchengrößen wie Boeing, Microsoft, Novartis, Yahoo oder General Electric zuletzt lieber Verwöhnprogramme für ihre Anteilseigner lanciert. Bis kurz vor Ende 2013 kündigten fast 500 Unternehmen Aktienrückkäufe im Volumen von insgesamt 475 Milliarden Dollar an. Mehr waren es nur 2007 mit insgesamt 623 Milliarden Dollar. Die Dividendenzahlungen der größten US-Firmen summierten sich zudem nach Berechnungen des S&P-Experten Howard Silverblatt im vergangenen Jahr auf den Rekordwert von 310 Milliarden Dollar.