Detroit. Die Stadt ist bankrott; der stärkste Eissturm seit Jahrzehnten lockert im Gebiet der Großen Seen nur langsam seinen eisigen Griff; der neue Megatrend "Vernetztes Auto" hat dazu geführt, dass die meisten Neuheiten schon diese Woche bei der Consumer Electronics Show CES in Las Vegas enthüllt wurden. Und dennoch spielt Detroit ab kommendem Montag mit der klassischen North American International Auto Show zwei Wochen lang wieder die längst verlorene Rolle als Nabel der Autowelt, 5000 Journalisten und 800.000 Besucher werden im Cobo-Center am Detroit River erwartet.

Eine "weitgehend zuversichtliche und optimistische Stimmung" konstatieren die Marktforscher. Wenig verwunderlich: Die Autoverkäufe auf dem nordamerikanischen Markt steigen seit Jahren kontinuierlich und haben zuletzt schon fast wieder das Niveau vor der verheerenden Wirtschaftskrise 2009/2010 erreicht.

Die drei großen heimischen Hersteller General Motors, Ford und Chrysler - sie haben alle ihre Hauptquartiere in oder nahe bei Detroit - kommen mit besonders breiter Brust. Sie haben 2013 ihre Verkäufe wieder um acht bis zehn Prozent steigern können. Und sie stellen im Krisengebiet rund um Detroit wieder tausende Automobilarbeiter ein.

Ford - das sich als einziger der US-Hersteller ohne Staatshilfe aus der Krise gearbeitet hat - kündigt 5000 neue Jobs in Michigan an. 2014 bringt Ford insgesamt 23 neue Autos und Kleinlastwagen auf den Markt - so viele wie noch nie in der 110-jährigen Geschichte. Darunter ein neues Modell des legendären Sportwagens Mustang sowie eine von Grund auf überarbeitete Version des auch 2013 in den USA wieder meistverkauften Fahrzeugs - des Pickup-Trucks F-150. Ford sieht sich auf gutem Weg, weltweit sechs Millionen Fahrzeuge herzustellen.

General Motors ist seit kurzem nicht mehr "Gouvernment Motors" und investiert ebenfalls wieder kräftig in der Heimat: 1,2 Milliarden Dollar fließen in das Werk in Flint, Michigan, wie GM-Nordamerika-Präsident Mark Reuss Mitte Dezember unter dem Beifall von Gouverneur Rick Snyders und hunderten gewerkschaftlich organisierten Werksangehörigen bekannt gab.

Auch Chrysler, das jüngst vom in der Insolvenz 2009 eingestiegenen Partner Fiat vollständig übernommen wurde, investiert wieder im Heimatland - sind die Verkäufe doch seit der Krise wieder um gut 50 Prozent gestiegen. Ebenso wie bei Ford und General Motors waren bei Chrysler die Pick-up-Trucks und SUVs der Konzernmarken Dodge RAM und Jeep die großen Renner und Gewinnbringer.