Davos. Top-Manager und Spitzenpolitiker aus rund 100 Ländern suchen seit Mittwoch in Davos Lösungen für brennende internationale Probleme. Weit oben auf der Agenda der Jahrestagung des Weltwirtschaftsforums stehen die anhaltend hohe Arbeitslosigkeit sowie die weiter wachsende Kluft zwischen Arm und Reich in weiten Teilen der Erde.

  WEF-Präsident Klaus Schwab erwartet nach eigenen Worten von dem Spitzentreffen mit insgesamt mehr als 2.500 Teilnehmern - unter ihnen mehr als 40 Staats- und Regierungschefs - neue Impulse für ein stärkeres Wirtschaftswachstum und die Überwindung der langjährigen Finanzkrise. Papst Franziskus rief die Teilnehmer in einer Botschaft auf, sich stärker für eine gerechtere Verteilung des Wohlstands auf der Welt einzusetzen. Führende Manager und Politiker hätten eine "klare Verantwortung gegenüber anderen, vor allem denjenigen, die am zerbrechlichsten, schwächsten und verwundbarsten sind", erklärte der Papst.

  Seine Botschaft wurde von Kurienkardinal Peter Turkson überbracht. Es war das erste Mal, dass ein Papst eigens einen Sondergesandten zum Weltwirtschaftsforum schickte. Die viertägigen Beratungen stehen unter dem Motto "Die Neugestaltung der Welt: Konsequenzen für Gesellschaft, Politik und Wirtschaft".

  Mit starkem internationalen Interesse wird bei der WEF-Tagung der Auftritt des iranischen Präsidenten Hassan Rohani erwartet, der am Donnerstag eine Rede über den "Platz des Irans in der Welt" hält. Dabei soll es neben Bemühungen des Irans um internationale Investitionen auch um Teherans Haltung im Syrien-Konflikt gehen.

"Kein Grund zur Begeisterung"

  Der Iran - einer der engsten Verbündeten des Regimes in Damaskus - war unter anderem auf Verlangen der USA von der Syrien-Friedenskonferenz ausgeschlossen worden, die am Mittwoch in Montreux eröffnet wurde. US-Außenminister John Kerry wird ebenfalls am Donnerstag beim WEF-Treffen in Davos erwartet. Ob es zu einer direkten Begegnung mit Rohani oder dem iranischen Außenminister Mohammed Javad Zarif kommt, blieb zunächst unklar.

  In einer WEF-Diskussionsrunde über die Folgen der Eurokrise warnte am Mittwoch der deutsche Ex-Bundesbankpräsident Axel Weber, dass die nur langsame wirtschaftliche Erholung "kein Grund zur Begeisterung" sei. Das Wachstum reiche längst noch nicht aus, um das brennende Problem der Arbeitslosigkeit zu lösen, erklärte Weber, der seit Mai 2012 Verwaltungsratspräsident der Schweizer Großbank UBS ist. Europas Politiker dürften sich jetzt nicht zurücklehnen, weil die Krise scheinbar eingedämmt sei, sondern müssten Strukturreformen energisch vorantreiben.