Argentiniens Präsidentin, Cristina Kirchner, versuchte vergangene Woche bei einem selten gewordenen Auftritt die Öffentlichkeit zu beruhigen, bevor sie zu einer Konferenz auf Kuba flog . - © reu/ E. Marcarian
Argentiniens Präsidentin, Cristina Kirchner, versuchte vergangene Woche bei einem selten gewordenen Auftritt die Öffentlichkeit zu beruhigen, bevor sie zu einer Konferenz auf Kuba flog . - © reu/ E. Marcarian

Buenos Aires. (wak) "Aus Respekt vor unseren Kunden bleibt das Geschäft vorerst geschlossen", steht auf einer Tafel im Fenster eines Elektronik-Ladens in Buenos Aires. Man wolle erst wieder aufsperren, wenn die Zulieferer die neuen Preise nennen. Argentiniens Kaufleute sind verwirrt, der Wert des argentinischen Pesos zerrinnt derzeit wie Butter unter der argentinischen Sommersonne, die die Hauptstadt derzeit auf über 30 Grad erhitzt. "Niemand will heute seine Ware verkaufen, wenn der Wert morgen schon ganz anders sein kann", erklärt etwa der ehemalige argentinische Wirtschaftsminister Domingo Cavallo, der in seiner Amtsperiode 1991 den Peso an den US-Dollar gebunden hatte. Das Einzige, was derzeit in Argentinien nachgefragt ist, sind Nahrungsmittel, die unter eine staatliche Preisbindung fallen. Beobachtern zufolge leeren sich bereits die Supermarktregale, vor allem gut haltbare Nahrungsmittel - die Zeichen stehen auf Pessimismus und Hamsterkäufe.

Allerdings wollen es sich nicht alle Geschäftsleute erlauben, ihren Laden gleich ganz dichtzumachen. Einige Händler von Elektronik-Geräten und Alkoholika erhöhten über das Wochenende die Preise ihrer Waren um bis zu 30 Prozent, um gleich ein Stück der zukünftigen Entwicklung mitzunehmen. Hatte doch allein in der vergangenen Woche der argentinische Peso 15 Prozent von seinem Wert verloren. Wie die Maßnahmen der Regierung nun greifen werden, steht in den Sternen. Ende vergangener Woche kündigte die Regierung unter der Präsidentin Cristina Fernandez de Kirchner an, dass es ab gestern, Montag, der Zivilbevölkerung wieder erlaubt werde, Dollars zu kaufen. Denn es handelte sich bisher um den größten Währungsverfall in dem krisengeprüften Land seit der letzten großen Krise 2002. Dieser Ausweg, mit Devisen das Abschmelzen der Spareinlagen abzumildern, war den Argentiniern nämlich seit Oktober 2011 verboten. Der Staat braucht die Devisen selbst - für Schuldendienste und Importe von fossiler Energie. Ab Wochenbeginn sollten Privatpersonen pro Monat maximal 2000 US-Dollar (rund 1460 Euro) einkaufen dürfen. Berechtigt sind zunächst Beschäftigte, deren Monatseinkommen bei mindestens 7200 Peso (rund 660 Euro) liegt, wie Kabinettschef Jorge Capitanich am Montag mitteilte. Händigt einem die Behörde das notwendige Zertifikat für den Dollarkauf aus, habe man daraufhin ein Zeitfenster von 72 Stunden, um den Devisenkauf zu tätigen.

Von dem Betrag werden 20 Prozent Steuern einbehalten, es sei denn, der Sparer lässt die Dollar-Summe mindestens 12 Monate auf seinem Sparkonto liegen. Auf den Finanzmärkten starteten bereits erste Wetten, dass der argentinische Peso weiter an Wert verlieren werde. In Lateinamerika warnen die Analysten bereits vor einer Ansteckungsgefahr der ganzen Region.

Aktienkurse in zahlreichen Ländern brechen ein


Doch nicht nur der Subkontinent, auch die anderen Schwellenländer geraten derzeit unter Druck. Die Boomländer Asiens oder Lateinamerikas waren in der Vergangenheit dank der niedrigen Zinsen in den Industriestaaten das Lieblingsziel der Anleger. Doch nun kehren immer mehr Investoren den Schwellenländern den Rücken. An den Finanzmärkten gerieten diese Länder zu Wochenbeginn stark unter Druck. Der am Freitag begonnene Ausverkauf setzte sich am Montag ansatzlos fort. An zahlreichen Börsen brachen die Aktienkurse ein. In Indien und Indonesien gaben die Leitindizes um mehr als zwei Prozent nach. Die türkische Zentralbank hat wegen des Kursverfalls der heimischen Währung Lira - diese sackte auf ein Rekordtief gegenüber dem Dollar ab - erstmals seit rund zweieinhalb Jahren eine Sondersitzung einberufen. Das Treffen solle am Dienstag stattfinden teilte die Notenbank mit.

Dabei sollen "die jüngsten Entwicklungen bewertet und die notwendigen Schritte für den Erhalt stabiler Preise eingeleitet werden". Experten gehen davon aus, dass der Leitzins kräftig angehoben wird. Ökonom Timothy Ash rechnet mit einem "aggressiven" Zinsschritt. Derzeit liegt der Zinssatz bei 4,5 Prozent.