Istanbul/Washington. (ag/wak) Für die US-Notenbank gilt klarerweise: "America First!" Und solange die Währungsturbulenzen in den Schwellenländern nicht die US-Wirtschaft spürbar belasten, wird Washington unbeirrbar jenen Kurs weiterfahren, der derzeit am besten für die heimische Wirtschaft scheint. Darin wird auch die Tatsache, dass die Fed mit Februar einen Wechsel an der Führungsspitze erlebt (wie berichtet beerbt Janet Yellen nun Ben Bernanke) nichts ändern. Am Mittwoch hatte die Fed angekündigt, ihre extrem lockere Geldpolitik weiter zu drosseln. Die monatlichen Käufe von langfristigen Staatsanleihen und Immobilienpapieren würden von 75 auf 65 Milliarden Dollar (47,6 Milliarden Euro) pro Monat reduziert. Der Leitzins hingegen bleibt auf dem historischen Tiefstand zwischen null und 0,25 Prozent. Die Reduktion war von Experten erwartet worden, die konstante Erfüllung der Prognosen macht die USA noch attraktiver für das mobile Geld auf den Finanzmärkten.

Kapital, das jahrelang aus den USA in die Schwellenmärkte geflossen ist, da dort die Erträge höher waren, strömt nun wieder in die USA und bringt die Schwellenländer damit unter Druck.

Die türkischen Währungshüter wussten sich zu Wochenbeginn nicht mehr anders zu helfen, als den Leitzins mehr als zu verdoppeln, um der Abwertung der türkischen Lira gegenzusteuern. Auch die südafrikanische Notenbank in Pretoria hat am Mittwoch den Schlüsselzins der Währung Rand um einen halben Prozentpunkt auf 5,5 Prozent angehoben. Die Kurse stürzten aber dennoch weiter ab.

Eine kurze Atempause

Am Donnerstag, einen Tag nach Bekanntwerden der erwarteten Fed-Entscheidung, gab es zumindest aber eine kurze Atempause für die Währungen der Schwellenländer. So verbilligte sich der Dollar zur türkischen Lira nach anfänglichen Gewinnen um 0,6 Prozent. Auch in Südafrika drehte der Dollar ins Minus und rutschte um 1,3 Prozent auf 11,12 Rand ab. Zuvor war der Rand noch auf ein Fünf-Jahres-Tief gefallen. Zugewinne konnten auch der russische Rubel und der brasilianische Real verzeichnen. Die Straffung der US-Geldpolitik werde auf den zweiten Blick gelassener gesehen, hieß es auf den internationalen Börsenparketten.

Unterstützt wurden die Kurse zudem von den Aussagen einiger Notenbanker, die erklärt hatten, ihre Landeswährungen auch künftig energisch verteidigen zu wollen. So rechnen Experten damit, dass auch Russland und Mexiko demnächst bei der Erhöhung der Leitzinssätze nachziehen werden. Die brasilianische Notenbank hatte etwa den Leitzins bereits Ende 2013 schon auf zehn Prozent angehoben. "Wir sind am Beginn eines globalen Zinserhöhungszyklus, in dem die Schwächsten als Erste agieren müssen", kommentieren die Analysten der SEB-Bank.

Dabei erscheint es geradezu als Glück, dass China seine Währung steuert, indem es den Wechselkurs des Yuan nur in engen Bandbreiten schwanken lässt. Den USA ist diese Praxis seit langem ein Dorn im Auge, da sie dem asiatischen Land Wettbewerbsvorteile verschafft. Doch zugleich ist China damit abgeschirmt von den Wechselkurs-Turbulenzen.

Die Türkei will nun unter anderem mit einem "außergewöhnlichen Konjunkturpaket" gegen den Währungsverfall steuern. Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan kündigte das am Mittwochabend an, ohne Einzelheiten zu nennen. Daneben versprach er weitere "unorthodoxe Schritte". Eine Kapitalverkehrskontrolle, um den Kursverfall der Lira zu dämpfen, so wie es etwa Argentinien macht, steht aber offenbar nicht auf der Agenda in Ankara. Der Chef der türkischen Zentralbank, Erdem Basci, hatte die Kapitalverkehrskontrolle ausdrücklich dementiert und betont, dass dieses Wort "nicht in unserem Wortschatz" existiere.