Wien. (sf) Einige Pflanzenschutzmittel könnten in Zukunft durch neue EU-Kriterien für Wirkstoffe vom Markt verschwinden, warnt die Industriegruppe Pflanzenschutz, zu der 15 Produzenten und Händler von Pflanzenschutzmitteln in Österreich gehören. Neun von zehn der meistverkauften Getreidefungiziden droht das Aus, bei Mitteln gegen Krautfäule in Kartoffeln würde die Zahl der verfügbaren Pflanzenschutzmittel halbiert, heißt es.

Derzeit wird auf EU-Ebene über Ausschlusskriterien (Cut-off-Kriterien) für die Bewertung von Wirkstoffen diskutiert. Die EU-Pflanzenschutzverordnung EG 1107/209 wurde bereits 2009 veröffentlicht, bestimmte Kriterien sind aber noch nicht definiert. Besonders im Fokus steht die "endokrine Wirkung", also die Wirkung auf das Hormonsystem. Bis Mitte des Jahres will die EU-Kommission dieses Kriterium definieren.

"Geht man vom aktuellen Vorschlagspapier der EU aus, werden viele wichtige Wirkstoffe vom Markt verschwinden", heißt es von der IG Pflanzenschutz, zu der unter anderem der Chemieriese BASF und der Agrarkonzern Monsanto gehören. Auch Global 2000 erwartet, dass einige Wirkstoffe nicht mehr zugelassen werden.

Die IG Pflanzenschutz kritisiert, dass der Einsatz von Sexuallockstoffen, die im Weinbau Traubenwickler-Männchen an der Paarung hindern, nach den strengeren Kriterien verboten wäre. "Mit den in der Landwirtschaft eingesetzten Konzentrationen und aufgrund des natürlichen Abbaus ist diese Wirkung aber vernachlässigbar", so ein Sprecher.

Greenpeace für Umstieg auf Bio-Landwirtschaft

Wurden Wirkstoffe bereits genehmigt, so sind die neuen Kriterien erst bei der Erneuerung oder der Überprüfung der Genehmigung anzuwenden. Ersatz für nicht mehr zugelassene Pflanzenschutzmittel habe die Industrie nicht in der Pipeline, weil die Wirkstoffe angesichts der ausufernden Regulierung schon in der frühen Entwicklungsphase aussortiert werden müssten, so die IG Pflanzenschutz. Die Entwicklung und Einführung neuer Wirkstoffgruppen habe sich dramatisch verlangsamt. Die Überbeanspruchung der noch am Markt befindlichen Wirkstoffe führe zur Entwicklung von Resistenzen, ob bei Pilzen, Unkräutern oder Schädlingen.

Dazu komme die aktuelle Bienenschutzdebatte, bei der Insektizide vor dem Aus stehen. Der Einsatz von manchen Neonicotinoiden ist in der EU teilweise bereits verboten, um Schäden für Bienen vorzubeugen. Der Einsatz des von Bayer entwickelten Imidacloprid wurde in Österreich gemeinsam mit den Neonicotinoiden Clothianidin und Thiamethoxam mit dem 1. Oktober 2013 zum Teil untersagt, das Verbot gilt für drei Jahre. Zum Schutz von Honigbienen ist der Einsatz dieser umstrittenen Pflanzenschutzmitteln ab dem 1. Dezember 2013 auch in der EU weitgehend verboten.

Für Greenpeace ist ein Verbot von für Bienen schädlichen Pestiziden nur ein erster Schritt. Die Umweltschutzorganisation tritt für einen Paradigmenwechsel in Richtung biologischer und ökologischer Landwirtschaft ein.