Wien. (apa/wak) Das Wirtschaftswachstum der Länder Mittel-, Ost- und Südosteuropas dürfte sich heuer und in den nächsten zwei Jahren spürbar beschleunigen, so die Prognose des Wiener Instituts für Internationale Wirtschaftsvergleiche (WIIW). Das Institut rechnet mit einem durchschnittlichen Wachstum von zwei bis drei Prozent pro Jahr.

"Unsere Arbeitshypothese ist, dass die öffentlichen Investitionen den Weg aus der Krise führen können, und derartige Maßnahmen bereits zu greifen beginnen", erklärte WIIW-Ökonom Mario Holzner. Dazu gehören Infrastrukturprojekte wie der Bau von Autobahnen, die Errichtung von Kohle- oder Atomkraftwerken oder etwa der Ausbau von zwei Reaktorblöcken in Mochovce in der Slowakei.

"Am Balkan werden diese auch vor allem von chinesischen Investitionsbanken finanziert und chinesischen Bauunternehmen errichtet", sagte Holzner. Die anderen Projekte werden etwa durch das intensive Ausschöpfen des gerade abgelaufenen EU-Finanzrahmens in der übrig gebliebenen Auszahlungsperiode 2014/2015 finanziert. Der höhere öffentliche Kapitaleinsatz sollte nach Meinung des WIIW zusätzlich noch private Investitionen auslösen. Zudem führen die verbesserten Wachstumsaussichten in der Eurozone zu Investitionen in die Exportindustrie in den Ländern Mittel-, Ost- und Südosteuropas.

Unsicher sind die WIIW-Ökonomen, ob ein investitionsgetriebenes Wirtschaftswachstum "nur ein kurzfristiger statistischer Basiseffekt einiger Ersatzinvestitionen bleibt oder, worauf vieles hindeutet, dahinter ein nachhaltiger Paradigmenwechsel steckt".

Unabsehbarer Schatten Krim


Inwiefern die Krim-Krise Auswirkungen auf die Stabilität in der Region hat, hänge sehr von dem zukünftigen Eskalationsgrad ab. Im Falle einer "kampflosen Annexion" der Krim an Russland, dem laut WIIW-Experten "wahrscheinlichsten" Zukunftsszenario in der Region, wären nur geringe Effekte auf die Länder Mittel-, Ost- und Südosteuropas spürbar, "außer eventuell bei jenen Ländern, durch die die South-Stream-Pipeline führen soll (um die Ukraine als Transitland zu umgehen, Anm.)". Diesfalls würde wohl eine erhöhte Bautätigkeit in den South-Stream-Transitländern Bulgarien, Serbien und Ungarn spürbar werden. Falls es dagegen zu einer Annexion und einem offenem Kampf kommen sollte, würde die ganze Region durch massive Handelsunterbrechungen sowie substanzielle Risikoaufschläge destabilisiert werden.

Die derzeitig diskutierten und zum Teil schon verhängten Sanktionen gegenüber Russland hätten laut dem Russland-Experten Peter Havlik vor allem symbolischem Charakter und würden keine bedeutenden wirtschaftlichen Auswirkungen auf das Land haben. Kritisch wird es allerdings, wenn man das russische Wachstum (das WIIW prognostiziert 1,6 Prozent dieses Jahr, 2,3 Prozent für 2015) ebenfalls als investitionsgetrieben ansieht. Denn je mehr sich Russland ins Eck manövriert, desto wahrscheinlicher ist das Ausbleiben von Auslandsinvestitionen.