Washington/Detroit. Es geht um viel für General Motors (GM): um Geld und vor allem um das Vertrauen der Konsumenten, das immer mehr erschüttert ist. Denn dem US-Autohersteller steht im Verdacht, tödliche Fertigungsfehler vertuscht zu haben, und kämpft nun um seinen Ruf.

Der Detroiter Autobauer hatte zwischen 2003 und 2007 zumindest 2,6 Millionen Fahrzeuge mit zu schwach ausgelegten Zündschlössern ausgeliefert. Deshalb kann der Zündschlüssel während der Fahrt in die "Aus"-Position zurückspringen. Das schaltet auch Servolenkung, Bremskraftverstärker und Airbags ab. Der Konzern selbst zählt 13 Unfalltote. Verbraucherschützer kommen aber auf bis zu 300 Todesopfer.

General Motors hat deshalb im Februar eine Rückhol-Aktion gestartet, doch nach Ansicht vieler Kritiker kam diese viel zu spät. Dem Management sollen die Probleme seit einem Jahrzehnt bekannt gewesen sein, es soll aber untätig geblieben sein. General-Motors-Chefin Mary Barra musste sich deshalb am Dienstag einer Anhörung vor dem US-Kongressausschuss stellen. Diese war zu Redaktionsschluss noch nicht beendet, doch laut Medienberichten wollte sich Barra für die Pannenserie entschuldigen. Doch kurz vor der Anhörung sollen sich die Indizien noch einmal verdichtet haben, dass General Motors Informationen zurückgehalten über Fertigungsfehler hatte.

Doch die Zündschlösser sind nicht das einzige Problem für GM: Der Konzern muss laufend neue Defekte einräumen. Erst am Montag teilte ein Konzernsprecher mit, dass bei weltweit 1,5 Millionen Fahrzeugen die Servolenkung ausfallen könnte. Damit steigt die Zahl der insgesamt wegen diverser Mängel von der Opel-Mutterfirma zurückgerufenen Autos auf insgesamt 6,3 Millionen. Die Kosten für die Beseitigung aller bekannten Mängel sind inzwischen auf rund 750 Millionen Dollar angewachsen, rechnete der Konzern vor. Zudem drohen GM Zivilklagen von Unfallopfern sowie von Autobesitzern, die den Wert ihrer Wagen geschmälert sehen. Auch hier könnten auf den Konzern noch Milliardenzahlungen zukommen.